Secheundvierzigates Kapitel. 47
Charakter der bei diesen "Untersuchungen noch vorherrschendenMethoden, einflössen musste, da er mit der vollkommenen Kon-sequenz des wissenschaftlichen Verfahrens sich nicht verträgt. Einetiefere Prüfung hat mich indess erkennen lassen, dass aus wenigerehrenwerthen, aber mächtigen Beweggründen, die neue Philosophiesehr wenig auf eine günstige Sti mm ung der Gelehrten für sichrechnen darf.
Die verschiedenen Klassen der Gesellschaft offenbaren ihreesonderen anarchischen Bestrebungen, welche aus der geistigenu nd moralischen Anarchie hervorgehen. Dies geschieht von denbelehrten bei den täglichen Streitigkeiten, welche über ihre gegen-seitigen Befugnisse sich erheben und zwar jedesmal, wenn dieselbeFrage in mehrere Zweige der Wissenschaft einschlägt. Die wissen-schaftliche Anarchie offenbart sich hauptsächlich in deren gemein-samen Widerwillen gegen allgemeine Sätze und ihrer Vorliebe fürmöglichst enge Besonderheiten. Ich habe hier nicht die Frageüber die Harmonie zu stellen, welche zwischen dem Geiste für dasllgemeine und dem für das Besondere bestehen soll; ich erinnere^ir an die einfache politische Regel, welche jeder Philosophie dienicht zu einer vollen Allgemeinheit auferlegt, wenn sie die moralischeeitung der Menschheit erstrebt. Nur dadurch verlängert dieeologis c he und metaphysische Philosophie ihr Uebergewicht. Die^gliche Erfahrung lehrt, dass jedesmal, wo der Geist des Ganzennothwendig wird, die guten, der Wissenschaft fremden Geister, welcheer meist an einer Stelle mit allgemeineren Gesichtspunkten sich be-ünden haben, für (he Regierung geeigneter sind als die Fach-Ge-enrten, obgleich dieselbe doch letzteren zustehen sollte. So tragen* gelehrten selbst zu ihrer niederen politischen Stellung bei. Ihresozialen Neigungen stehen meist auf der Höhe ihrer Ideen. Man sollte“einen, dass die Pflege der Wissenschaften bei denen, welche sich ihnenlaxnen, den individuellen Egoismus im Zaume halten müsste; alleinSle mac ht ihn im Gegentheil nur systematischer und corrumpirender.
Man muss deshalb alle Hoffnung auf den Beistand der Ge-rten aufgeben. Diejenigen unter ihnen, welche ein grosser po-ischer Ehrgeiz bewegt, stellen sich lieber den Gewalten und be-
enden Parteien zum Dienst und wollen nur die Instrumente inen Händen der Advokaten und anderer Metaphysiker sein.