Vioruncli'üntzigstes Kapitel.
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beinahe unbedingten Despotismus beseitigt, welcher sie bei denAlten charakterisirte. Er hat die Frauen in das häusliche Lebeneingeschlossen, und damit die beiden Geschlechter so innig vereint,dass die Frau das liecht erwarb, nicht blos an den sozialen Vor-theilen dessen, der sie einmal gewählt hatte, Theil zu nehmen,sondern auch an der Hochachtung, welche er genoss.
Endlich hat in sozial-moralischer Hinsicht der Katholizismusstatt des kräftigen, aber wilden Patriotismus der Alten das höhereGefühl der Menschlichkeit oder Brüderlichkeit gestellt, welches erunter dem zarten Namen der Liebe in glücklicher Weise zu einemallgemeinen gemacht hat. Allerdings wurde diese Zuneigung aufdie christlichen Völker durch die Natur der Lehren und diereligiösen Antipathien in der Wirklichkeit eingeschränkt; aberinnerhalb dieser Grenzen waren die Gefühle der Brüderlichkeitzwischen den verschiedenen Völkern mächtig entwickelt durchderen Unterwerfung unter dieselbe geistliche Gewalt, deren Mit-glieder, trotz ihrer besonderen Nationalität, sich als Bürger derganzen Christenheit fühlten. Die Verbesserung der europäischenVerhältnisse, die Vervollkommnung des Völkerrechts, die mensch-lichen Bedingungen, welche selbst der Krieg einhalten musste, er-strecken sich bis auf die Zeiten, wo der katholische Einfluss alleFheile Europas verband.
Im Innern jeder Nation haben die Pflichten der Wohlthätig-keit das möglichst beste Mittel gebildet, um namentlich in Bezugauf die Vertheilung des Reichthums den unvermeidlichen Uebel-ständen des sozialen Lebens abzuhelfen. Daraus sind so viele jenerWunderbaren Stiftungen zur Linderung des menschlichen Elendesbervorgegangen. Diese Einrichtungen waren dem Alterthum völligUnbekannt, sie sind um so bemerkenswerther, als sie beinahe immeraus den freiwilligen Geschenken der privaten Freigebigkeit hervor-gehen, und die öffentliche Mithülfe sich nur selten damit verbindet.Indem der Katholizismus das Gefühl der sozialen Solidarität ent-wickelte, hat er das Gefühl der Stetigkeit nicht vernachlässigt,Welche die Ergänzung jener ausmacht, indem es alle Zeiten"de alle Länder verbindet. Dies war der Zweck jenes Systemsv on Gedächtnisfeiern, einer so treffenden Nachahmung des Poly-theismus. Weise Vorsichtsmassregeln, die meist beachtet wurden,