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Zweiter Band.
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Vierundfünfzigstes Kapitel.

kommnung abhängt. Auch muss man die künstlichen Exerzitien,durch die der Mensch sich freiwillig Entbehrungen auferlegt, alssolche betrachten, welche trotz ihrer scheinbaren Nutzlosigkeitglückliche Unterstützer der moralischen Erziehung ausmachten.Endlich wurden die persönlichen Tugenden damals zuerst in ihrersozialen Bestimmung aufgefasst, während die Alten sie mehr alsKlugheitsregeln für das vereinzelte Individuum empfahlen. Die Er-niedrigung, welche man bei der katholischen Moral so viel getadelthat, enthält eine ausgezeichnete Vorschrift; sie beschränkt sichnicht blos auf die Zeiten stolzer Unterdrückung, wo sie noth-wendig wurde, sie bezieht sich auch auf die moralischen Bedürfnisseder menschlichen Natur, deren Stolz und Eitelkeit niemals genugunterdrückt werden können.

Eine andere Neuerung des Katholizismus ist in ihrem sozialenWerthe von der metaphysischen Philosophie verkannt worden.Sie betrifft die Verdammung des Selbstmordes, den die Alten, welcheihr eigenes Leben so wie das fremde verachteten, sich so oft zueiner unnatürlichen Ehre angerechnet hatten, worin ihre Philo-sophen ihnen vielmehr nachahmten, statt sie zu tadeln. Dieseantisoziale Gewohnheit musste gleichzeitig, mit der Vorherr-schaft der militärischen Sitten uachlassen, aber es gereicht auchhier dem Katholizismus zum Ruhme, dass er dieselbe energischverurtheilt hat. Je mehr das zukünftige Leben von seiner Wirk-samkeit auf die Moral verliert, um so wichtiger ist es, dass dieEinzelnen an dem wirklichen Leben festkalten.

Der Einfluss des Katholizismus hat sich hauptsächlich in derOrganisation der häuslichen Moral offenbart, die im Alterthmn durchdie Politik aufgezehrt wurde. Die Trennung der Gewalten mitdem daraus hervorgegangenen Regiment haben zu der Erkenntnis»geführt, dass das häusliche Leben für die Masse der Menschendas wichtigste ist, mit Ausnahme der wenigen, welche durch ihreausnahmsweise Natur und che Bedürfnisse der Gesellschaft dempolitischen Leben zugeführt werden, dem die Alten alles geopferthatten. Die katholische Thätigkeit ist von selbst in die innerstenVerhältnisse der Familie eingedrungen, wo sie ohne Tyrannei emrichtiges Gefühl für die gegenseitigen Pflichten erweckt hat. DerKatholizismus hat die väterliche Autorität geheiligt und dabei den