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Zweiter Band.
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Fünlundfünfeigates Kapitel.

des Katholizismus überrascht die Ungleichheit, welche die langeZeit seiner allmählichen Entwickelung bedurft hat, im Vergleichzu der kurzen Dauer seines sozialen Uebergewichts, dem sodannschnell sein Verfall folgte. Die Verfassung bedurfte zu ihrer Ein-richtung zehn Jahrhunderte, aber sie hielt sich an der Spitze deseuropäischen Systems nur ungefähr zwei Jahrhunderte, vonGregor VII , der sie vollendete, bis zu Bonifaz VIII, unter demihr Niedergang begann. In den folgenden fünf Jahrhundertenist diese Verfassung in eine Art von Todeskampf verfallen. DiesesVerhältniss scheint dem Gesetz von der Langlebigkeit sozialer Orga-nismen zu widersprechen, dem gemäss deren Lebensdauer, wie bei deneinzelnen Organismen der Dauer der Entwickelung entspricht. DieLösung dieser historischen Aufgabe liegt darin, dass das, was imKatholizismus untergehen sollte, nur seine Lehre betrifft, aber nichtseine Organisation. Jene musste zerfallen, weil sie an der theolo-gischen Philosophie festhielt, welche bei der Befreiung der Ver-nunft unterliegen musste.

Fünfundfiinfzigstes Kapitel.

Der metaphysische Zustand der modernen Gesellschaft. DasZeitalter des revolutionären Ueberganges. Zerfall des theo-logischen und militärischen Regiments.

Wenn man die ganze Dauer des theologischen und militäri-schen Systems erwägt, so hat das polytheistische Regiment dievollständigste und längste Entfaltung davon gebildet. Das mono-theistische System war dessen letzte Periode und die wenigst festeForm dieses Systems; der theologische Geist ist hier in jederHinsicht einer nicht zu beseitigenden Abnahme unterlegen, hiweltlicher Hinsicht erfuhr der militärische Geist, so mächtig auch