Fünfundfünfzigstes Kapitel.
269
Klasse gestanden hatte, da deren kriegerischer Eifer ohne allennützlichen Erfolg mehr und mehr in Gegensatz zu der Civilisation ge-rieth, die sie im Anfänge beschützt hatte. Die feudale Organisation,Welche die Einfälle der Nachbarn auf halten sollte, ging ihremEnde zu, seitdem sie im Prinzip selbst zur Zerstörung beitrug.Eie Einrichtung stehender Heere, die in Italien begann und sichbald über den ganzen Westen, namentlich in Frankreich , ver-breitete, war ein Zeugniss für die Auflösung der weltlichenRegiments.
Gemeinhin, namentlich nach dem Vorbild, welches Frankreich bot, erfolgte die Zersetzung der weltlichen Macht zum Vortheil derCentralgewalt und gegen die Lokalgewalten. Bei dem Geiste derKehnsverfassung konnte man voraussehen, dass beinahe überallder - Bruch des Gleichgewichts dieser beiden Gewalten zum Nach-theil der Aristokratie erfolgen würde, weil ein solches Regimentdie Mittel für das Anwachsen des Königthums gewährte. DieserGesichtspunkt ist zu bekannt, als dass ich mich länger dabei auf-zuhalten brauche. Dagegen mache ich, als auf ein neues Moment,auf eine Vergleichung aufmerksam, zwischen dem Zerfall der welt-hchen Gewalt und dem der geistlichen Gewalt. Der der letzterenbat sich gegen die Centralgewalt vollzogen und deshalb mussteschon der der anderen sich umgekehrt verhalten, da ohnedem dieseRevolution in einen allgemeinen Zerfall ausgeartet sein würde, vordem Europa nur durch die weltliche Konzentration zu Gunsten desKönigthums behütet worden ist.
Das Uebergewicht der Aristokratie bildet einen Ausnahme-*all; England ist das vornehmste Beispiel dafür. Dessen Betrach-tung ist sehr wichtig; es zeigt den Irrthum des Empirismus, derdie europäische Bewegung darauf beschränken will, auf das Fest-land das der englischen Entwickelung angehörige besondere Regi-ment zu verpflanzen. Eine solche Anomalie muss indess der ver-güten Thätigkeit zweier besonderer Umstände zugeschriehen werden,nämlich der insularen Lage und der zweimaligen Eroberung. Derer ste gestattete England seinen eigenen Weg bei seiner sozialenEntwickelung zu gehen, ohne von Aussen gestört zu werden; derzweite hat die Verbindung des Adels gegen das Königthum hervor-8 e rufen, welches durch die normännische Eroberung zuerst über-