Band 
Zweiter Band.
Seite
278
JPEG-Download
 

278

Fünfundfünfzigstes Kapitel.

nommen wurden, und die militärischen Befehlshaber aus den niede-ren Klassen zu wählen. Indess vermochte sie besser diese Notli-wendigkeit zu verhüllen, indem sie die fremden Elemente, die dasGefühl ihrer Unfähigkeit sie sich zu leihen nöthigte, mit Entsagung,ja oft mit Geschicklichkeit in ihre Körperschaft aufnahm.

Der Verfall des militärischen Geistes machte grosse Fort-schritte. Indem die Könge dem wirklichen Befehl entsagten unddie ministerielle Gewalt sich entwickelte, welche sein: oft von Per-sönlichkeiten geübt wurde, die dem Kriege fremd waren, so wurdedas kriegerische Gewerbe herabgedrückt. Schon Machiavel hatteim Anfang des 16. Jahrhunderts auf die unsichere und abhängigeStellung der modernen Generale aufmerksam gemacht, welche indie Stellung einfacher Beamten einer mehr und mehr argwöhnischenCivilautorität herabgedrückt wurden. Bei den Alten und nament-lich in Rom genossen die Generale während der ganzen Dauerihrer Unternehmungen einer beinahe unbeschränkten Gewalt, wiesie für das Eroberungssystem unerlässlich war. Indess ist das,■was Machiavel für eine vorübergehende Ausnahme hielt, die Italien und namentlich Venedig angehörte, welches seit einem Jahrhundertdas Beispiel dazu abgab, nun zur Lage aller europäischen Staatengeworden. Unter allerlei politischen Formen sind die kriegerischenBefehlshaber der bürgerlichen Gewalt trotz ihrer bedeutendenDienste unterworfen und von dieser gewissermassen beargwöhntund überwacht worden; die höhere Leitung der wichtigen, theilsoffensiven, theils defensiven Feldzüge geschah beinahe immer durchnicht militärische Minister, und zwar sowohl in dem Entwurf, wiein den wichtigen Theilen der Ausführung. Die vergeblichen KlagenMachiavels würden in dieser Beziehung von unseren Kriegernwiederholt werden, wenn der militärische Gesichtspunkt seine Be-deutung wie im Alterthume behalten hätte.

Der Protestantismus leistete indess hier bald einen grossenDienst, indem er den Geist der Eroberung durch die überwiegendeBeschäftigung mit inneren Unruhen hemmte und der militärischenThätigkeit ein neues Ziel und eine andere Richtung bot. In dieseEpoche ist der Ursprung für die eigentlich sogenannten Revolu-tionskriege anzusetzen. Der äussere Krieg verwickelte sich mitdem Bürgerkrieg. Das Interesse für ein wichtiges soziales Prinzip