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Fünfundfünfzigstes Kapitel.
scheu Kraft des cartesianisclien Prinzips nach, dessen irreligiöseRichtung der Jansenist Pascal angedeutet hatte. Während diesesEinflusses auf die bedeutenderen Geister wurde die Menge in ihrenschwankenden Ueberzeugungen durch den Konflikt beunruhigt, dersich zwischen den wissenschaftlichen Entdeckungen und den theo-logischen Auflassungen erhoben hatte. Die Verfolgung Galilei’s machte damals mehr Ungläubige, als Intriguen und Predigten derJesuiten wieder zum Glauben bekehren konnten.
Mit diesen verschiedenen Quellen geistiger Anregung, auswelchen die verneinende Philosophie ihre Hauptkraft entnahm, mussman die beinahe allgemein herrschenden moralischen Zustände ver-binden. Das Bedürfniss, gegen die unterdrückende rückläufigeLehre mit Energie anzukämpfen, weckte gegen das Ende des 17. Jahr-hunderts alle edlen Leidenschaften zu Gunsten der kritischen Lehre,welche allein den Fortschritt fördern konnte. Indess waren eshauptsächlich die schlechten Neigungen der menschlichen Natur,die mit Begierde jede verneinende Auflassung, mochte sie spekula-tiver oder sozialer Richtung sein, auffassten. Das Prinzip der freienPrüfung verführte die kindische Eitelkeit beinahe aller Menschen,deren Vernunft damit zu dem unbeschränkten Schiedsrichter inden schwierigsten Erörterungen erhoben wurde. Auch alle übrigenSätze der kritischen Lehre gestatten ähnliche Bemerkungen. DieElirgeizigen mussten mit Eifer das Prinzip der Volkssouveränitätaufnehmen, welches ihnen eine beinahe unbeschränkte Laufbahneröffnete. Der Stolz und selbst der Neid waren mächtige Gehülfenbei der Liebe zur Gleichheit, die bei weniger erhabenen Naturensich nicht auf das edelmütliige Gefülil der allgemeinen Brüderlich-keit stützte, sondern vielmehr auf den Hass gegen jede Ueber-legenheit überhaupt. In dieser Weise wurden die geistigen Ein-flüsse, welche zur kritischen Lehre gehörten, durch energischeGefühls-Einflüsse verstärkt.
Man muss bei dem Gange der verneinenden Philosophie dieKritik, welche den religiösen Glauben untersuchte, von der unter-scheiden, die sich an die weltliche Gewalt richtete. Letztere bildetdie Vervollständigung der revolutionären Lehre, welche sie in diepolitische Tliätigkeit eingeführt hat, doch konnte sie nur an zweiterStelle unternommen werden. Die philosophische Befreiung war