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Zweiter Band.
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Fünfundfünf'zig6tes Kapitel.

Stellungen konnte sie, seitdem sie der Erörterung unterzogenwurden, nichts vor ihrem Zerfall schützen, wenn sie auch im Beginndabei Triumphe feierten. Auch die Lust zu streiten, die dem Mono-theismus, insbesondere dem Katholizismus eigen ist, bedeutete denNiedergang der theologischen Philosophie. Die zahllosen Beweisefür das Dasein Gottes, die seit 12 Jahrhunderten verbreitet wurden,bestätigten nicht nur die kühnen Zweifel, deren Gegenstand diesesPrinzip war, sondern haben sicherlich viel zu deren Verbreitungbeigetragen. Nichts beweist mehr das rein vergängliche Geschickder religiösen Ueberzeugungen als diese Unfähigkeit, solchen Er-örterungen zu widerstehen, und die Unmöglichkeit, sich denselbenzu entziehen. Pascal war der einzige Philosoph, welcher dieGefahr dieser unvorsichtigen theologischen Beweisführungen er-kannte oder wenigstens anzeigte; sie steigerte sich durch einenunmässigen Eifer und eine unerschöpfliche Fruchtbarkeit in Pascal’sZeiten und selbst sein zu später Rath vergrösserte das Uebel, dadie Skeptiker der Theologie damals vorwarfen, dass sie vor derVernunft zurückweiche, nachdem sie so lange dieselbe als denobersten Schiedsrichter angenommen habe.

Die geistigen Wege waren für die Literaten des 18. Jahr-hunderts genügend geebnet, um die verneinende Philosophie desvorigen Jahrhunderts zu verbreiten. Indess geschieht der Fort-schritt der Kentnisse so langsam, dass die Ueberweisung der kriti-schen Lehre von dem einen zu dem andern dieser beiden Jahr-hunderte nur durch einige philosophische Männer geschah. Unterdenselben, zwischen Bayle und Voltaire , muss man den weisenFontenelle hervorheben, der die Nothwendigkeit einer schliess-lichen Befreiung im Voraus geahnt hatte. Während die Leitungder revolutionären Bewegung den Literaten überlassen wurde, be-reiteten sie sich zu dieser neuen Rolle vor, indem sie sich mehrund mehi- auf philosophische Erörterungen beschränkten, nachdemdie ästhetische Bewegung des vorigen Jahrhunderts sie nicht mehranders auf Erfolge hoffen liess, als nur durch Oeffnung eines neuenGebiets. Der merkwürdige Streit Uber die Alten und die Neuenim Beginn des 18. Jahrhunderts zeigt am deutlichsten die Umge-staltung dieser Literaten, die man so leichthin zu Philosophen er-hoben hat, seitdem ein solcher Titel, anstatt langer und mühsamer