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Sechsundfünfzigstes Kapitel.
ln den meisten Fällen hat die erstere allerdings die allgemeineRegel eingehalten; aber das Beispiel Deutschlands steht dem ent-gegen, da hier der Aufschwung der Wissenschaften dem ästheti-schen in Folge ungewöhnlicher Umstände vorangegangen ist. ZurErklärung einer solchen Abweichung muss man den Gang dermodernen Civilisation nicht blos bei einer Nation beachten, sondernbei allen Völkern, die an der Bewegung des westlichen Europas theilgenommen haben, also hei Italien, Frankreich, England, Deutsch-land und Spanien . Diese fünf Nationen, deren gemeinsames WirkenKarl der Grosse begründet hat, haben seit der letzten Hälfte desMittelalters, trotz ausserordentlicher Verschiedenheiten, doch eineinziges Volk unter katholischem und feudalem Regiment gebildet,und sie haben seit dieser Epoche die nämlichen Umgestaltungenerlitten. Eine gleiche Betrachtung gilt für den Schauplatz, derdiese soziale Gestaltung befasst. Dadurch löst sich die obigeSchwierigkeit, da sie darlegt, dass die wissenschaftliche Entwicke-lung der ästhetischen nachgefolgt ist. Ueberaus deutlich ist diesfür Italien , wo die ästhetische Entwickelung so deutlich der indu-striellen nachfolgt und die wissenschaftliche vorbereitet.
Wenn man in der ganzen Vergangenheit den Ursprung derEntwickelung der verschiedenen sozialen Elemente studirt, wirdman den umgekehrten Gang finden. Die alte Civilisation gingaus einem theokratischen Zustand hervor und ist von dem allge-meinsten Prinzip aus fortgeschritten, um zu besonderen Anwen-dungen zu gelangen. Die Philosophie hat sich bei den Altenzuerst und zwar in theologischer Gestalt entwickelt, welche damalsdie allein mögliche war. Dann kam die Wissenschaft mit ähn-lichem Charakter, nachdem sie sich von dem gemeinsamen Stammder Theokratie gesondert hatte. Endlich erschien die Kunst, dielange Zeit nur eine einfache Gehülfin der theokratischen Machtwar. Das industrielle Element war durch die Sklaverei der Arbeiterunterdrückt. Eine ähnliche Bewegung von dem Allgemeinen zu demBesonderen, oder von dem Abstrakten zu dem Konkreten hat beider inneren Entwickelung jedes Elements der modernen Civilisationstattgefunden. Daher haben die aufsteigende und die niedergehendeOrdnung der positiven Rangordnung gemeinsam die organischeEntwickelung der letzten fünf Jahrhunderte geregelt; die eine für