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Sechsundfünfzigstes Kapitel.
völkerung hängt, sobald dasselbe genügend vorgeschritten ist, dasWeitere hauptsächlich von ästhetischen Fähigkeiten ab, derenAusübung die Vervollkommnung der Volkssprache erfordert. DieWissenschaften und die Philosophie haben sehr wenig zur Aus-bildung der modernen Sprachen beigetragen. Trotz des Nutzens,welchen beide aus der logischen hohen Stellung der neuen Sprachengezogen haben, beweist doch der lange Gebrauch des Lateinischen,nachdem es nicht mehr Volkssprache war, das Widerstreben und dasUngeschick für die Leitung der Ausbildung der gebräuchlichenSprachen. Diese Thätigkeit sollte von weniger abstrakten, wenigerallgemeinen und weniger hervorragenden Fähigkeiten ausgehen,aber wohl von mehr innigen, mehr volkstümlichen und mehrregsamen.
Das ästhetische Genie mit seiner Bestimmung, die Gedankenund Gefühle des wirklichen Lebens darzustellen, hat niemals ineiner todten, ja auch nicht in einer fremden Sprache sich ange-messen ausdrücken können, trotz der Leichtigkeit, welche künst-liche Gewohnheiten hier gewährt hatten. Die Bildung der modernenSprachen muss deshalb auf die anhaltenden Bemühungen der ästhe-tischen Fähigkeiten zurückgeführt werden, die eine oberflächlicheBeurteilung eine Art Jahrhunderte langen Schlafes zu einer Zeitbeilegt, wo sie doch den Grund zu den Monumenten des modernengemeinsamen Lebens legten. Die daraus hervorgehende Verzöge-rung des Aufschwunges der schönen Künste trifft direkt nur diePoesie und nebenbei die Musik; indess sind mittelbar auch alleanderen Künste, je nach ihrer Beziehung zur Poesie, dadurch auf-gehalten worden.
Man hat das Mittelalter getadelt, weil es die Schriften derAlten verlassen habe, während doch das Lesen derselben, wenigstensdas der römischen Schriftsteller, zu einer Zeit nicht hatte erlöschenkönnen, wo das Latein die besondere Sprache der wichtigstenPriesterschaft Europas gewesen sei. Jedenfalls ist es sicher, dassin den besten Jahrhunderten des Mittelalters in diesem Punkte,seit der ersten Entwickelung der modernen Sprachen, die altenSprachen glücklicher Weise ausser Gebrauch gekommen sind.Dies zeigt einen unklaren Instinkt für die Unverträglichkeit, diezwischen der neuen ästhetischen Entwickelung und der zu aus-