Band 
Zweiter Band.
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Sechsundfiinfzigstes Kapitel.

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sehliesslichen Bewunderung der Meisterwerke bestand, welche einemAir immer erloschenen gesellschaftlichen System angehörten. DieseStimmung hatte, trotz der Unzuträglichkeiten in Hinsicht desGeschmacks, den wesentlichen Vortheil, dass sie die Originalitätund die Volkstümlichkeit der neuen Leistungen sicherte. Auchverband sich diese Richtung mit den durch den Katholizismus ver-anlassten Vorurteilen über den Vorzug der neuen sozialen Zu-stände gegenüber den alten. Die gebildeten Geister suchten inder alten Literatur eine Art von mittelbaren Protest gegen denkatholischen Geist, seitdem er seine fortschrittliche Natur aufge-geben hatte. Jedenfalls bedurfte die neue ästhetische Entwicke-lung einer Befestigung durch ihre gänzliche Unabhängigkeit vonderjenigen, die aus einer anderen Lage hervorgegangen war. Sohinderte die Nachahmung der römischen Bauwerke lange ZeitItalien , welches beinahe in allen Künsten den übrigen Ländernüberlegen war, dasselbe Uebergewicht in der Baukunst zu ge-winnen.

Diese merkwürdige, aus sich selbst in allen Arten der Künsteerfolgende Entwickelung zeichnet sich ebenso durch die Origi-nalität ihrer Leistungen und durch die unbewusste Ueberein-stimmung der derzeitigen sozialen Lage aus, welche frei von allerniedrigen Nachahmung war. Dies zeigt sich vorzüglich in derPoesie, die einestheils zum treuen, wenn auch idealen Ausdruckder ritterlichen Sitte diente und anderseits zur Andeutung desUebergewichts, das das häusliche Leben in der modernen Weltgewonnen hatte. In beiderlei Hinsicht muss für diesen Zeitraumder Beginn einer neuen Dichtung hervorgehoben werden, die dasAlterthum nicht kannte, weil sie sich auf das Privatleben bezog,das bei den Alten so wenig entwickelt war und in das das öffent-liche Leben sich nur durch seine Gegenwirkung gegen jenes ein-^Uscht. Diese Reihe häuslicher Schilderungen, welche so wunder-bare Fortschritte machen sollten, bildet nun jene Art von Kunst-werken, die bis jetzt am besten der Natur der modernen Kunstari gepasst worden sind.

Das Mittelalter hat zu der ästhetischen Entwickelung der gegen-wärtigen Gesellschaft geführt. Wenn die bedeutenden Eigenschaften,Welche sie kennzeichnen, sich nicht weiter entwickeln, so kommt dies