Band 
Zweiter Band.
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352
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352 Sechsundfünfzigstes Kapitel.

angetrieben und in der dritten war sie mit der modernen Po-litik gemischt.

Während dieser drei Gestaltungen hat sich die ästhetischeEntwickelung auf alle Künste und auf den ganzen Westen Europas ausgedehnt, nachdem sie zunächst in Italien begonnen hatte, wodie erhabenen Gedanken Dante’s und die süssen EmpfindungenPetrarcas unsterbliche Leistungen hinterlassen haben. Das Un-willkürliche dieses ersten Aufschwunges tritt vorzüglich in demWerke Dante’s hervor, welcher nicht einmal durch das Mitgefühlseiner Zeit unterstützt wurde, zu dem er doch so berechtigt war.Schliesslich hat die Bewunderung Europas , die dieser ausserordent-lichen Schöpfung bald zu Theil wurde, laut dessen volle Ueberein-stimmung mit den Zuständen der damaligen civilisirten Völker dar-gelegt und Dante war es, welchen die allgemeine Dankbarkeit unterdem berühmten Lorbeerbaum Petrarca’s krönte, während letztererdamals nur durch seine lateinischen Gedichte bekannt war, cheheute mit Recht vergessen sind. In diesem ersten Zeitraum sindalle Kennzeichen der modernen Kunst zu finden. Die kritischeRichtung tritt sehr deutlich hervor, namentlich in der DichtungDante’s, die durch eine dem katholischen Geist entgegengesetzteMetaphysik geleitet wird. Dieser Gegensatz zeigt sich nicht blosin den zahlreichen und schweren Angriffen gegen den Papst unddie Geistlichkeit, sondern auch in den Gedanken der Dichtung selbst,in welchem das Recht zu vergöttern und zu verdammen in kühnerWeise usurpirt wird und eine Art Gotteslästerung bildet, die zweiJahrhunderte früher unmöglich gewesen sein würde. Der Gegen-satz der ästhetischen Bewegung zu der weltlichen Gewalt wirdschon durch den Einfluss einer solchen Bewegung bemerkbar, dieunabhängigen persönlichen Ruhm austheilt und bald Nebenbulilerzu den erblichen Vorrechten herstellt.

Gegen die Mitte dieser ersten Gestaltung beginnt in derästhetischen Entwickelung, die bis dahin dem Anstoss ihrer sozialenUmgebung gefolgt war, eine erhebliche Aenderung durch die zuunterwürfige Bewunderung der Meisterwerke des Alterthums. Dieshemmte die ruhmvolle poetische Bewegung des 14. Jahrhunderts,zu der das folgende Jahrhundert, selbst in Italien , einen so kläg-lichen Gegensatz bildete. Die religiösen Streitigkeiten haben