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Zweiter Band.
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Sechsundfünfzigstes Kapitel. 35 ^

Publikum zu unterhalten. Die Kunst hat an der sozialen Be-wegung nur in einer kritischen Weise Theil genommen, die sichdeshalb mit ihrer Natur, bei welcher die Verneinung immer nureine nebensächliche Bedeutung haben kann, wenig vertrug. DieseRichtung ist übrigens in negativer Weise weiter fortgeschritten,d. h. sie hat sich gegen die katholische Organisation gewendet,die eine’ unterdrückende und rückschreitende Richtung annahm undgegen das Ende des Mittelalters allmählich den Widerwillen derDichter und Künstler rege machte.

Die ästhetische Entwickelung hat einen glücklichen Einflussauf das stärkere Anschliessen der europäischen Völker an einandergeübt, die durch den Verfall der katholischen und feudalen Ver-fassung zur Trennung von einander getrieben wurden. Die Künstesuchten allerdings die Abneigung gegen die Fremden zu erweitern,und zwar gerade deshalb, weil sie sich mehr und mehr mit derEntwickelung ihres Volkes verkörperten. Allein dieser zerstückelndeEinfluss wurde mehr als aufgewogen durch die Vorliebe, welchebedeutende ästhetische Leistungen für diejenigen Völker erweckten,v on denen sie herkamen. Dies geschah wenigstens dann, wenndie Liebe zur Kunst wahrhaft entwickelt war und nicht blos alshlaske für kindische nationale Eitelkeiten diente. Die Poesie, deren^erke auch in der Feme erfreuen konnten, veranlasste überalldas Studium der neueren Sprachen, ohne welches die Meisterwerkederselben nur unvollkommen beurtheilt werden konnten. Ein solchesPrivilegium ist eine Eigenthümlichkeit ästhetischer Werke. Die'vissenschaftlichen und philosophischen Fähigkeiten theilen bei ihrerhöheren Allgemeinheit und Abstraktion ihre Leistungen auch un-abhängig von der Sprache mit. Dieselben Eigenschaften, welchehinderten, an der Bildung der neueren Sprachen Theil zu nehmen,haben sie auch an deren Verbreitung gehindert.

Nachdem ich so die Eigenthiimlichkeiten der ästhetischen Ent-^vickelung dargelegt habe, werde ich deren Gang seit dem 14. Jahr-hundert in Betracht nehmen. Die ästhetische Bewegung ist, wiedie industrielle Bewegung, der Reihe nach bei der ersten Gestaltungdieser Periode eine unwillkürliche gewesen, in der zweiten Gestaltung^orde sie durch mehr oder weniger systematische Unterstützung