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Zweiter Band.
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Sechsundt'ünfzigstcs Kapitel.

wieder ihren Lauf und brachte die wunderbaren Ergebnisse hervor,die ich nun darzulegen habe. Ein solches Verfahren galt für alleKünste, indess in sehr ungleichem Grade; sein stärkster Einflusstrat in der Poesie hervor, die Skulptur und Baukunst wurden davonmehr als die Malerei und namentlich die Musik betroffen, derenEntwickelung deshalb langsamer und originaler geschah.

Während der zweiten Gestaltung dieser Periode wurden dieKünste überall von den europäischen Regierungen unterstützt. DieKunst hatte damals einen zwiefachen Vortheil vor der Wissen-schaft voraus, deren Gang eine gleiche Umgestaltung erlitt. DieKunst erweckte lebhaftere Tlieilnahme und ihre Entwickelung er-regte selbst bei den misstrauischsten Mächten keine Unruhe. Dieserletztere Umstand machte vorzüglich die Päpste, welche schon ineinfache italienische Fürsten ausgeartet und den Wissenschaftenwenig hold waren, zu den eifrigen Beschützern der Künste, zuderen Genuss ihre Erziehung sie befähigte. Jedenfalls war es mehrals Mittel für Einfluss und Ansehen, wie eines wirklichen Genusseswillen, dass die Künste von Fürsten , die den Werth solchenAnsehens und solcher Popularität zu schätzen wussten, ermuthigtwurden. Auch mehrere Herrscher, wie Franz I. und Ludwig XIV .haben sich, trotz der Mittelmässigkeit ihres Geistes, durch persön-liche Liebhabereien ausgezeichnet, welche sie ohne jene allgemeineBeweggründe die ästhetische Entwickelung begünstigen Hessen . Der-gleichen Begünstigungen geigten die soziale Macht, die die Kunstzu gewinnen begann.

Die Unterschiede, welche in dem Gange der einzelnen Künstesich entwickelten, sind durch die beiden Systeme der weltlichenDiktatur veranlasst worden. Nach einigen italienischen Philosophenhat die Abschaffung des katholischen Gottesdienstes ungünstig aufdie ästhetische Entwickelung eingewirkt, namentlich bei der Musik,Malerei und Bildhauerkunst, deren Unvollkommenheit in Englandgegen den Fortschritt der Poesie sehr absticht. Indess legt manbei diesem Ausspruch zu viel Werth auf den geistlichen Ein-fluss, während die Hauptursachen politischer Natur waren. InFrankreich erhielten die in Italien eingerichteten poetischen undkünstlerischen Akademien sehr bald unter Richelieu und Lud-wig XIV. eine reelle Wichtigkeit, während in England das Ueber-