Aclitundfünfzigstua Kapitel.
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Keine Eigenschaft kennzeichnet den positiven Geist mehr, alsdie Aufstellung des relativen Gesichtspunktes anstatt des unbe-dingten. Diese Eigenschaft tritt aber bei den mathematischen Be-griffen wenig hervor und die grosse Leichtigkeit ihrer Beweisetäuscht oft über die Tragweite der menschlichen Erkenntniss. Inder Anwendung auf natürliche Vorgänge stellen diese Begriffe denBeweis an die Stelle der Beobachtung. In den soziologischen Unter-suchungen ist der historische Gesichtspunkt der überwiegende undso zeigen sie die vollständigste Offenbarung dieser Eigenschaft derPositivitat. Das Gefühl für die Unveränderlichkeit der Natur-gesetze wird durch die mathematischen Studien wenig entwickelt,da die grosse Einfachheit der geometrischen und mechanischenVorgänge, die Verallgemeinerung dieses philosophischen Begriffesschwer gestattet. Auch sind zu allen Zeiten, selbst unser Jahr-hundert nicht ausgenommen, bedeutende Geometer so inkonsequentgewesen, um bei allen etwas verwickelten Vorgängen keine festenGesetze anzunehmen, .namentlich wenn die menschliche Thätigkeitsich einmischte. Die übrigen Wissenschaften zeigen eine bestimmtereOffenbarung von der Unveränderlichkeit der Naturgesetze; abernur die soziologische Wissenschaft entwickelt dieses Prinzip voll-ständig, indem sie es auf die verwickeltsten Ereignisse anwendet,die damit der Oberhoheit des theologischen und metaphysischenGeistes entgegen sind, welchen die Nachgiebigkeit des Descartesdieses letzte Anrecht 'Vorbehalten hatte.
Alle Verfahrungsarten, aus welchen die positive Methode besteht,finden sich in Folge ihrer Einheit in jeder der sechs Hauptwissen-schaften. Die Vortheile, die in dieser Hinsicht die mathematischenStudien besitzen, kommen von der Einfachheit ihrer Gegenstände,welche durch die Hülfsmittel für Vervielfältigung und Verlängerungder Beweise Beispiele zu allen jenen Kunstgriffen bietet, die derVerstand anwenden kann. Aber gerade in Folge dieser Verein-fachung sind die wichtigsten dieser logischen Mittel nicht genügendbestimmt. Sie werden nur in den höheren Theilen der Philosophieder Prüfung fähig. Man findet sie dann verhüllter Weise in ge-wissen mathematischen Entwickelungen angewendet, wo man sienicht sofort erkennen konnte. So verhält es sich mit der ver-