Band 
Zweiter Band.
Seite
478
JPEG-Download
 

478

Achtundfünfzigstes Kapitel.

dingung, wie sie in diesem Werke verwirklicht worden ist, führtzu dem Verfall der ganzen absoluten Philosophie. Die Studiender unorganischen Natur zeigen zunächst die Relativität aller Be-griffe, welche wir über die äussere Welt besitzen, wo der Menschnur als Zuschauer der von ihm unabhängigen Vorgänge auftritt.Sodann lässt die Biologie erkennen, dass die Thätigkeit des Geistesals zu den Vorgängen des Lebens gehörig, ebenso wie alle anderenmenschlichen Vorgänge der Beziehung untergeordnet sind, die zwi-schen dem Organismus und der Umgebung besteht, ein Dualismus,welcher das Leben bildet.

Unsere Kenntnisse hängen einerseits von dieser Umgebung,welche auf uns einwirkt, und andererseits von unserem Organismusab. Wir können den Theil des Einflusses nicht abschätzen, derjedem dieser beiden Elemente unserer Empfindungen und Gedankenzukommt. Zu einem unvollkommenen Ersatz dieser biologischenAuffassung war Kant gelangt, indess konnte ein solcher Fortschrittnicht genügen, da er sich auf eine statische Abschätzung desWissens bei dem Einzelnen beschränkt; dieser Fortschritt mussteseine Ergänzung durch die dynamische Abschätzung der Collektiv-Einsicht der Menschheit erhalten. Der statische Gedanke zeigtenur, dass unsere Begriffe durch eine Aenderung unserer Organi-sation oder Umgebung modifizirt würden, allein diese organischeVeränderung war nur eingebildet und das Absolute war nur un-vollkommen beseitigt. Meine dynamische Lehre betrachtet dagegendie Entwickelung, welcher die geistige Entfaltung der Menschheitohne Umänderung des Organismus unterworfen ist. Diese letzteWendung trifft daher die absolute Philosophie wirklich. Wennich mich über das Gesetz der menschlichen Entwickelung geirrthätte, so wäre nur die Begründung einer besseren Lehre nöthig,und ich würde trotzdem die alleinige Methode festgestellt haben,die den menschlichen Geist zur positiven Erkenntniss führt. Indemso die geistige Unbeweglichkeit beseitigt ist, ist damit die relativePhilosophie begründet. Die einander folgenden Theorien sind zu-nehmende Annäherungen an eine Wirklichkeit, deren volle Kennt-niss niemals erreicht werden wird. Die beste Theorie ist für jedeEpoche die, welche am besten die Gesammtheit der damaligen Be-obachtungen bietet.