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Achtundfünfzigstes Kapitel.
der anfänglichen Neigung des Geistes zu theologischen und meta-physischen Erklärungen. Auch ist die Schwäche des menschlichenGeistes ein Grund seiner Vorliebe für sachliche Kenntnisse, seitdemsie ihn in den allgemeinen Beziehungen die Beständigkeit undStetigkeit finden lassen, die ihm die einzelnen Vorgänge nichtbieten konnten.
Vorzüglich in Hinsicht auf die Gattung wird eine solche spe-kulative Thätigkeit grundlegend, da sie die Grundlage der mensch-lichen Gemeinschaft bildet. Nach der Aehnlichkeit, die zwischendem Organismus des Einzelnen und dem der Gesammtheit besteht,ist jede Philosophie, welche bei dem einzelnen Geiste einen logi-schen Zusammenhang bilden kann, schon dadurch allein vermögend,die Menge der Denker um sich zu sammeln. In dieser Weisewerden die Philosophen zu den Führern der Menschheit, indem sieals die ersten jede geistige Revolution unternehmen.
Kein Einsichtiger vermag sich so von der denkenden Mengeabzutrennen, dass er nicht durch die öffentliche Uebereinstimmungfort gerissen würde. Man könnte dies nöthigenfalls durch das Bei-spiel der Gemeinschaften Geisteskranker beweisen, die trotz ihrerUneinigkeit einen beklagenswerthen Einfluss auf den Geisteszustandder bedeutendsten Aerzte ausiiben, welche dem täglichen Verkehrmit denselben ausgesetzt sind, da jede energische, selbst irrigeUeberzeugung geeignet ist, die entgegengesetzten Meinungen zubeunruhigen, so begründet sie auch sein mögen. Alle Menschenmüssen als Mitarbeiter bei der Auffindung wie für die Benutzungder Wahrheit gelten. Wie gross auch die Kühnheit eines Geniessein mag, das über die gemeinsamen Kenntnisse hinausgehen will,so würde seine unbedingte Isolirung ebenso verkehrt wie unver-nünftig sein. Das abstrahirende Denken, welches zu grossen gei-stigen Anstrengungen unentbehrlich ist, wird bald durch Nach-lässigkeit, bald durch Selbsttäuschung so schweren lrrthümern aus-gesetzt, dass kein vernünftiger Mensch die stete Kontrole deröffentlichen Vernunft verachten sollte.
Jede Verbindung verlangt ein gewisse Gemeinsamkeit derInteressen, der Gefühle und insbesondere der Meinungen. Ohnediese dreifache Grundlage würde keine Gesellschaft, von der Familiebis zu der Gattung, weder thätig, noch dauerhaft sein können.