Achtundfönfzigstes Kapitel.
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blieben unter der Herrschaft der theologischen und metaphysischenPhilosophie, deren absoluter Charakter sich nur mit der Unbe-weglichkeit des Glaubens vertrug, einander entgegengesetzt. DieVerbindung zwischen diesen Ansichten war bei dem Uebergewichtdes göttlichen Willens und der Entitäten sehr unbestimmt undschwankend; es hinderte deren Ausdehnung, indem alle möglichenFälle in derselben einförmigen Weise erklärt wurden. Wenn einesolche Ansicht sich über Alles erstreckt hätte, würde sie dem Fort-schritt ein unüberwindliches Hinderniss bereitet haben. Allein dasie nur in den höheren Spekulationen herrschte, so führten diegewöhnlichsten Fragen zu dem ersten Emporkommen von Naturge-setzen, und dies gestattete den Wissenschaften sich zu entwickeln.Die positive Philosophie kann nicht besser gekennzeichnet werdenals durch ihre Fähigkeit, jene beiden Bedürfnisse der Verbindungund der Ausdehnung, die bis dahin einander entgegengesetzt waren,zu versöhnen. Sie entnimmt selbst aus der Verbindung derKenntnisse das stärkste Mittel für deren Ausdehnung und umge-kehrt dient jede vollendete Ausdehnung zur Vervollkommnung derbisherigen Verbindung durch die Errichtung der Harmonie zwischenden verschiedenen Theilen des geistigen Systems. Dieser logischeZusammenhang gewährt für jede Epoche den entscheidendstenBeweis für die Wahrheit der Auffassungen, die ihre Ueberein-stimmung mit den Beobachtungen von da ab verbürgt, und manist gewiss, der Wahrheit so nahe gekommen zu sein, als der Zu-stand der menschlichen Entwickelung gestattet. Jedes verständigeVoraussehen, um von einem Begriff auf einen andern durch derengegenseitige Verknüpfung zu gelangen, wird zum sichersten Kenn-zeichen der Positivität, indem es die Bestimmung dieser Harmoniedarlegt, welche die Kenntnisse ausdehnt, indem sie dieselbenneben einander ordnet.
Die geistigen Bedürfnisse sind in Anbetracht der schwachenEnergie der denkenden Thätigkeiten bei den meisten Menschenwenig hervortretend, doch sind sie lebhafter, als die lange Ent-sagung, mit welcher der menschliche Geist das für seine Befriedi-gung am wenigsten geeignete philosophische Regiment ertragenhat, erwarten lässt. Auf allen Stufen dieser langen Vorbereitungsind die positiven Ansichten mit Eifer aufgenommen worden, trotz
Comte-Rlg, positive Philosophie. II. 31