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Zweiter Band.
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Sechzigstes Kapitel.

dem ihrer Natur angemessensten sozialen System führen, und diesesSystem wird an Gleichartigkeit, Ausdehnung und Festigkeit allesübertreffen, was die Vergangenheit hat aufbauen können.

Während die Meinungen, die Sitten und die Einrichtungen,welche dem sozialen Sinn der neuen Zeit entsprechen, sich inmittender entscheidendsten Ereignisse entwickeln werden, wird die positivePhilosophie in Bezug auf die schönen Künste eine vierte Befähi-gung zeigen, welche die bisherigen ergänzen wird.

Bei Darlegung des Ganges der menschlichen Entwickelunghabe ich bereits den Einfluss ästhetischer Empfindungen innerhalbder individuellen und gemeinsamen Existenz nachgewiesen, welchegleichmässig die gewöhnlichen wie die hervorragenden Wesen erfreuensollen, indem sie die Einen erheben und die Andern sänftigen.In dieser Hinsicht werden die schönen Künste durch das Auf-kommen des positiven Regimentes viel gewinnen; dasselbe wird siein die soziale Oekonomie einfügeu, der sie bis jetzt fremd gebliebensind. Das Uebergewicht des menschlichen Gesichtspunktes und desauf das Ganze gerichteten Geistes werden die ästhetischen Unter-nehmen begünstigen, und zwar sowohl in dem gemässigten Grade,welcher für einen richtigen Geschmack zeugt, wie der Stärke,welche einen wirklichen Beruf zur Kunst begründet.

Die der Entwickelung der Künste angemessensten Verhältnissewaren nur unter dem polytheistischen Regiment vorhanden. Dasöffentliche Leben trat damals sehr hervor und wurde durch die kriege-rische Thätigkeit charakterisirt; allein dessen Idealisirung ist in allerHinsicht jetzt erschöpft. Die arbeitsame und friedliche Thätigkeit,welche der jetzigen Civilisation eigen ist, hat in ästhetischer Hin-sicht noch nicht verwerthet werden können. Die Kunst ist wiedie Wissenschaft und wie die Industrie durchaus nicht alters-schwach geworden; sie ist nur noch nicht genug gestaltet, weilsie noch nicht sich der Muster entledigt hat, welche das Alterthumihr hinterlassen hat. Die bewunderungswürdigen Werke der letztenfünf Jahrhunderte beweisen im Gegentheil, trotz eitler Vorurtheile,den Fortbestand der ästhetischen Fähigkeiten und selbst deren steteZunahme trotz der Ungunst ihrer Umgebung. Das moderne Lebenwird eine Idealisirung finden, sobald sein Charakter seine volleBestimmtheit erreicht haben wird. Das zwiefache Gefühl des