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Zweiter Band.
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Sechzigstes Kapitel.

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Wahren und Guten kann sich nicht entfalten ohne das Gefühl desSchönen zu erzeugen. Diese letzte Wirkung der positiven Philo-sophie ist deshalb mit den drei anderen innig verknüpft.

Die theologische Philosophie, welche von selbst das Muster einesMenschen benutzte, das bei ihr den wahrhaften Geist darstellt,musste lange dem Aufschwung der Phantasie günstig sein,allein diese Fähigkeit, welche unter dem Polytheismus so deutlichhervortrat, konnte während des Zeitalters des Monotheismus sichnur durch das sonderbare Auskunftsmittel erhalten, welches, in-mitten des eifrigsten Katholizismus, den widerspruchsvollen Ein-fluss der religiösen Hauptepoche verlängerte. Der Begriff derGottheit, oder vielmehr der Götter ist daher in ästhetischer Hin-sicht noch machtloser geworden, als in geistiger und sozialer Hin-sicht; was aber die leere Entität der Natur anlangt, mit welcherdie Metaphysik diesen anfänglichen Glauben zu ersetzen suchte,so hat dieser Begriff in der Poesie sich ebenso unfruchtbar er-wiesen, wie in der Philosophie und Politik.

Das wichtigste Ergebniss des modernen Fortschritts bestehtin dem unwillkürlichen Zusammentreffen aller Auffassungen in demBegriff der Menschheit, welcher ohne alle Künstelei einen ausser-ordentlich passenden ästhetischen Inhalt besitzt, wenn derselbe an-gemessen benutzt wird. In dem Begriff des Menschen ist eine un-erschöpfliche Quelle poetischer Grösse enthalten, wenn dieser als dasoberste Haupt der natürlichen Oekonomie aufgefasst wird, wie ersie mit einer weisen Kühnheit stets zu seinem Vorth eil verändert,frei von jedem eitlen Bedenken, befreit von allem niederdrückendenSchrecken und keine anderen Grenzen anerkennend, als die durchseinen Verstand entdeckten positiven Gesetze. Vorher war dieMenschheit in Unthätigkeit einer willkürlichen Herrschaft unter-worfen, von der alles abhing, was sie unternahm. Die Wirksam-keit des Menschen auf die Natur, welche noch so unvollkommenist, hat sich erst bei den Modernen offenbart. Das Ergebniss einermühseligen sozialen Entwickelung vertrug deshalb keine Idealisi-rung. Die Kunst hat, in Nachahmung der alten Poesie, fortfahrenddie wunderbare Weisheit der Natur besungen, trotzdem die Wissen-schaft die Unvollkommenheit dieser so gepriesenen Ordnung fest-gestellt hat; und trotzdem die Werke des Menschen von den einfachsten