Fünftes Kapitel.
Der Krieg der großen AManz.
Es war eine lange Unterredung — sie dauerte von ^ auf 12 bisauf 8 Uhr abends ohne Unterbrechung — welche am 26. Juni im PalastMarcolini in Dresden Metternich mit Napoleon hatte. Sie sprachen ganzohne Zeugen mit einander in diesem „wichtigsten Augenblicke für die zu-künftigen Beziehungen zwischen den beiden Reichen und für ganz Europa ."
„Von Ew. Majestät hängt es ab", sagte Metternich, „der Welt denFrieden zu geben, Ihrer Regierung die festeste aller Grundlagen, die all-gemeine Dankbarkeit, zu geben. Wenn Ew. Majestät sich diesen Augenblickentgehen läßt, wo werden dann die Umwälzungen ihre Grenze und ihrZiel finden?"
„Ich bin bereit", antwortete Napoleon , „Frieden zu machen; aberlieber werde ich untergehen, als einen entehrenden Frieden schließen. Ichhabe es dem Kaiser Franz geschrieben: meine Ehre über alles und dannder Friede!"
Metternich erwiderte, entehrende Vorschläge würden niemals in dieBerechnungen des Kaisers Franz Eingang finden.
„Wohlan", unterbrach ihn Napoleon , „was verstehen Sie unter Frie-den?" Welches sind Ihre Bedingungen? Wollen Sie mich plündern?Wollen Sie Italien , Brabant, Lothringen ? Ich werde nicht einen ZollErde abtreten; ich schließe Frieden auf den Ltatus guo anto bsllnin. Ichwerde sogar einen Teil des Herzogtums Warschau an Rußland geben.Euch werde ich nichts geben, denn Ihr habt mich nicht geschlagen. Auchan Preußen gebe ich nichts, weil es mich verraten hat. Wenn Ihr West-galizien wollt, wenn Preußen einen Teil seiner alten Besitzungen will, sokann sich das machen, aber gegen Entschädigungen. Alsdann müßt Ihrmeine Verbündeten entschädigen. Jllyrien zu erobern, hat mich 300 000Mann gekostet; wollt Ihr es haben, so müßt Ihr eine gleiche AnzahlMenschen verausgaben."
Von maßlosen Forderungen, welche die Ehre Frankreichs hätten kränkenkönnen, war gar nicht die Rede, sondern nur davon, ob Napoleon die