Buch 
Nordwest-Deutschland (von der Elbe und der Westgrenze Sachsens an) : Handbuch für Reisende / von K. Baedeker
Entstehung
Seite
76
JPEG-Download
 

76 Route ( J3.

BBAÜNSCHWEIG.

Altstadtmarkt.

Von Kaiser Otto TV.. dem Sohne des Löwen, mit wichtigen Zollfreiheitcnbeschenkt, errang sich die Stndt, bei welcher die alte nördliche Handels-straße vom Rhein zur Elbe die Oker überschritt, und begünstigt durch dieLage an der großen Handelsstraße von Lübeck und Hamburg nach Süd-deutschland, nach und nach eine fast selbständige, von der Landeshoheitunabhängige Stellung und entfaltete sich zu einem der bedeutendsten Han-delsplätze des deutschen Binnenlandes. Ihre Blüte fällt in die zweite Hälftedes xiv. und den Anfang des xv. Jahrh., als sie Hauptstadt des sächsisch-westfälischen Quartiers der Hansa war. Der Reformation wandte sichBraunschweig früh zu und berief bereits 1528 den Dr. Joh. Bugenhagenals Prediger. Nach mannigfachen, auch innern Kämpfen während desxvi.und xvrr. Jahrh., unterlag die Stadt endlich 1671 der herzogl. Gewalt.Seit 1753 ist sie Residenz der Herzoge, die kurze Franzosenherrschaft (1806-13) abgerechnet. — Nach dem Tode des Herzogs Wilhelm (18. Okt. 1881),des letzten Sprößlings des Hauses Braunschweig-Lüneburg älterer Linie,wählte der Regentschaftsrat am 21. Okt. 1885 den Prinzen Albrecht v. Preußenzum Regenten des Herzogtums.

Wie Danzig und Lübeck hat sich die Weifenstadt die Erinnerung anihre glanzvolle Vergangenheit in zahlreichen Bauwerken bewahrt und istdaher für den Freund vaterländischer Geschichte und Kunst von hervor-ragendem Interesse (Ein). S. xiv, xv). Insbesondere erfreulich wirkenneben den großen öffentlichen Gebäuden die überaus zahlreichen Probendes HolzsiileS) sowohl aus der spätgotischen wie aus deT Renaissanceperiode.

Die Mitte des dem Bahnhof zunächst gelegenen südw. Stadt-viertels nimmt der *Altstadtmarkt (PI. B5) ein, mit dem Alt-stadtrathaus, der Martinikirche, verschiedenen alten Privathäusern*(n° 8 das Huthaus , Ende des xvii. Jahrh.) und einem 1408 errich-teten , 1847 hergestellten Brunnen mit mancherlei Bildwerk, Wap-den und Bibelsprüchen in niederdeutscher Sprache.

Das *Altstadtrathaus (PI. 1 : B5), aus zwei rechtwinklig zu-sammenstoßenden 19 und 17m langen Flügeln bestehend, ist einBau zierlichsten gotischen Stils, um 1950 begonnen, 1393-96 fort-gesetzt, 1447-68 vollendet. Beiden Flügeln ist gegen den Markthin ein Laubengang vorgelegt, welcher eine offene Galerie mitreichem anmutigen Maßwerk trägt, an deren neun Pfeilern obenStandbilder sächsischer Fürsten, von Heinrich I. bis zu Otto demKind nebst ihren Gemahlinnen aufgestellt sind, die meisten um1465 von Hans Hesse gefertigt.

Im Hanptgeschoß ein großer Saal (die große „Dornse“), mit reichgemalter Balkendecke got. Stils, 1852 restauriert und seitdem zu Festlich-keiten dienend. Der kleine Saal enthält die Gemäldesammlung des braun-schweigischen Kxtnstvereins , mit einigen neueren Bildern ( ffildebrandt , Lea-sing y Kindler , sowie namentl. braunschweigische Maler). — Als die Stadt1671 ihre Unabhängigkeit verlor, wurde das Rathaus geschlossen und biszur Restauration (1841-52) nur zur Messe dem Verkehr geöffnet.

Gegenüber die *Martinikirche (PI. 22: B5), ursprünglich eineroman. Pfeilerbasilika, in der 2. Hälfte des xm. Jahrhunderts imfrübgot. Stil erweitert; die s.w. angebaute spätgot. Annenkapelle1434 geweiht, das Chorschiff 1490-1500 errichtet. Die Giebelseitenzeichnen sich durch reiche Portale und bildnerischen Schmuck aus;südl.’das sog. Priesterthor, nördl. das sog. Brautportal (1. Hälfte desxiv. Jahrh.'). Das Portal der Turmfassade ist romanisch.

An der dem Rathaus zugewendeten äußeren Ecke ist ein Grab-denkmal eingemauert, Sandsteinrelief, einen Fähnrich von Rauchhaupt in