146 Route 34.
WEIMAR.
Museum.
Tiefurt 6 JA nebst Trkg., nach beiden 9 M. Wagen nach Ettersburg inder Posthalterei, 9 Jl >
Ständige Ausstellung für Kunst & Künstgbwerbe , Karlsplatz 9.Einte. 1 Jt , So. 50 Pf. (10-4 Uhr).
Das Theater, einst unter Goethes und Schillers Leitung, nimmt nochimmer einen ehrenvollen Rang unter den deutschen Bühnen ein.
Weimar (204m), Residenz des Großherzogs v. Sachsen-Weimar-Eisenach , mit 24 400 Einwohnern, hochherühmt als Dichterstadtzu Ende des xvm. und Anfang unseres Jahrhunderts, liegt ineinem freundlichen Thaie aml. Ufer der Ilm : eine unregelmäßigewinklige Altstadt von neueren Vorstädten umgeben.
Weimar war im x. Jahrh. der Sitz einer Grafenfamilie, welche sichspäter von Orlamünde nannte. Ende des xrv. Jahrh. kam die Stadt in denBesitz der Landgrafen von Thüringen und später der Kurfürsten von Sachsen .Die Teilung von 1485 ließ Weimar bei der ernestinischen Linie. Nach derSchlacht hei Mühlberg (1547) zog der Hof des gefangenen Kurfürsten JohannFriedHch des Großmütigen nach Weimar , 1552 .der freigelassene Kurfürstselbst mit seinem treuen Maler Lukas CTanach d. Ä. Sein SohnJohannWilhelm(f 1573) baute mit dem Geld, das er in französischen Kriegsdiensten er-worben, das Französische Schlößchen (jetzt Bibliothek). 1603 zerfiel dasalte weiraarische Haus in die altenburgische und die neue weimarischeLinie (Johann). Johanns jüngster Sohn war Bernhard (1604-39), derSieger von Lützen , ein tüchtiger Feldherr und hochgesinnter Patriot, derals Herzog von Franken in Süddeutschland und am Rhein mit den Schweden gegen die Kaiserlichen kämpfte. Sein Bruder Wilhelm IV .. erhielt bei derTeilung von 1640 Weimar und ist der Begründer der j ungern weimarischenLinie. Des zwanzigjährig verstorbenen Herzogs Ernst August Konstantin (t 1758) geistvolle Witwe, Anna Amalia von Braunschweig (i 1807), führtedie Regentschaft bis 1775. Sie hatte 1772 Wieland als Prinzenerzieher be-rufen. Ihr Sohn, der geniale Karl August (1757-1828) versammelte anseinem Hofe die edelsten Geister Deutschlands : Goethe lebte hier, zuletztals Minister, vom 7. Nov. 1775 bis zu seinem Tode (22. März 1832), also56 Jahre lang; Herder von 1776 bis 1803 als Generalsuperintendent; Wielandbis 1813; tfcÄiifcr wurde 1789 Professor der Geschichte in dem nahen Jena ,zog aber 1801 nach Weimar , wo er 1805 starb. Auch unter den Nach-folgern Karl Augusts, unter Karl Friedrich (1828-1853) und Karl Alexander ist Weimar eine Heimat der Künste geblieben. Seit 1860 ist es Sitz einerKunstschule, an welcher Bonav. Genelli (+ 1868), Friedr. Preller (f 1878),Ferd. Pautoels (1862-72) und CT». Verlat (t 1890) aus Antwerpen , Gr/. Kalch-reuth (1860-76) u. a. wirkten, seit 1885 auch des Goethe-Schillerarchivs(S. 148).
Vom Bahnhof führt die breite Sophienstraße geradeaus zurStadt. Nach 2 Min. r. auf dem Watzdorfplatz, das 1878 enthüllteKriegerdenkmal , von Rob. Härtel in Dresden ; am Sockel die Namender gefallenen Landesangehörigen.
Am Ende der Sophienstraße liegt das * Museum (PI. B 2;Eintr. Mai bis Sept. tägl. außer Mo. von 10, Sonn- u. Festt. 11 bis4 U., So. Mi. frei, sonst 50 Pf.; Okt. bis April So. 11-3, Mi. Do.10-3 U.; Katalog 60 Pf.; Direktor; Geh. Hofrat Dr. Ruland). DasGebäude, aus gelbem u. rotem Sandstein, ist nach dem Entwurfdes Prager Architekten Zitek im ital. Renaissancestil ausgeführt.
Erdgeschoß. Skulpturen, meist Gipsabgüsse. Unter den wenigenOriginalarbeiten: R. Härtel , Hochrelieffries in drei Abteilungen : Erzie-hung der germanischen Jugend, Hermannsschlacht u. Walhalla . Erzeug-nisse der Kleinkunst, Elfenbeinschnitzwerk, Gläser, Majoliken u. s. w.,sowie die zur Vorbildersammlung für Architektur und Kunstgewerbe ge-hörigen Abbildungen. — Im Treppenhaus C. Bteinhäusers kolossale Mar-morgruppe Goethe und Psyche nach einer Skizze von Bettina v. Arnim.