Buch 
Nordwest-Deutschland (von der Elbe und der Westgrenze Sachsens an) : Handbuch für Reisende / von K. Baedeker
Entstehung
Seite
152
JPEG-Download
 

152 Route 35.

ERFURT .

Rathaus.

garten, schön gelegen; Cafe Walter, Neuwerkstr.; Vogels Garten(PI. 28), im Sommer abends häufig Konzerte.

Droschke: innerhalb der Stadt: 1 Pers. 50, 2 Pers. 75, 3 Pers. 90 Pf.,4 Pers. 1 : zum Friedhof, Schießhaus, Steiger, Krankenhaus, Kordhäuser

Bahnhof 1 bezw. 1.20, 1.40, 1.60. — Pferdebahn: von der Post (PI. 21:D3) nach Ilversgehofen (S. io4), nach der Flora (unterhalb des Steigers,S. 154) und nach dem Schießhaus; vom Bahnhof (PI. Cö) zum Andreas-thor (PI. Al).

Erfurt (200m), mit 72300 Einw. und 3600 M. Besatzung, bis1873 Festung, deren Werke jetzt großenteils abgetragen sind,ist eine uralte Stadt, welche schon der h. Bonifatius als einen be-festigten Wohnsitz von Ackerleuten fand. Das von ihm im J. 74 tgegründete Bistum ging jedoch bald wieder ein. 1181 unterwarfsich hier Heinrich der Löwe dem Kaiser Friedrich I. (vgl. S. 194).Obschon nicht als freie Reichsstadt anerkannt, behauptete Erfurt in der Folge doch eine sehr selbständige Stellung, zum Teil unterdem Schutze der Kurfürsten von Sachsen . Im xiv. und xv.Jahrhundert gehörte Erfurt zur Hansa; 1664 wurde es von Kur-mainz , welches schon lange Ansprüche darauf erhoben hatte,unterworfen, kam 1802 an Preußen, stand aber 1806-14 unteTfranz. Verwaltung. Die 1392 gestiftete Universität, zur Zeit derReformation ein Hauptsitz des Humanismus, wurde 1816 aufge-hoben. Die altertümliche, von der Gera in mehreren Armen durch-flossene Stadt hat außer bemerkenswerten gotischen Kirchen auchhübsche Privatgebäude des xvi.-xvn. Jahrh. aufzuweisen.

Mittelpunkt des Verkehrs ist der Anger, eine breite Straßemit Baumreihen; unter den neueren Gebäuden treten die Post(PI. 21) und die Kommandantur hervor; zwischen beiden stehtdas 1890 enthüllte * Lutherdenkmal von F. Schaper.

Von der Post der Schlösserstraße folgend erreichen wir denFischmarkt, auf welchem sich das 1869-75 an Stelle eines äl-teren Baues von Baurat Sommer, mit Benutzung eines Entwurfesvon Baurat Tiede, aufgeführte Rathaus (PI. 23: C3) erhebt. DerFestsaal ist von Janssen aus Düsseldorf mit *Wandgemälden ausder Geschichte Erfurts ausgeschmückt. — An demselben Platzzwei stattliche Privatgebäude aus dem xvi. Jahrh., das WalthersclieHaus „zum breiten Herd“ und das Haus „zum roten Ochsen“, inder Johannisstr. neben dem Ritter das Haus „zum Stockfisch“ mitschönem Erker, alle drei im Renaissancestil. — Die nahe Krämer-brücke ist beiderseits von Häusern eingefaßt.

W. vom Fischmarkt liegt der ansehnlichste Platz, der Frie-drich-Wilhelmsplatz (PI. B3), mit einer zum Andenken aneinen Mainzer Kurfürsten 1770 errichteten Spitzsäule. An derN.-Seite das stattliche neue Gerichtsgebäude, an der S.-Seite deralte Gasthof zur hohen Lilie, wo schon Luther, Moritz von Sachsenu. Gustav Adolf gewohnt haben. Auf der Anhöhe im W. erhebensich neben einander der Dom und die Severikirche, mit je dreiSpitztürmen : ein malerisches Architekturbild. Eine breite Frei-treppe führt hinan (I)omküster oben in dem Eckhaus).