Dom.
35. Route. 153
Der *Dom (PI. 11: B 4; kathol.) wurde an Stelle eines 1153gegründeten Baues nach der Mitte des xm. Jahrh. errichtet; derChor, 1349-72 im edelsten got. Stil -vollendet, ruht auf einemgewaltigen Unterhau (den sog. „Kavaten“, cavatae); das Langhauswurde 1456-72 als spätgotische dreischiffige Hallenkirche umge-kaut. Am Nordportal eine reichgeschmückte Vorhalle von 1368.Brand und Kriege haken den Bau vielfach beschädigt, welcher1845-70 ganz restauriert wurde. An der Westfassade, zu der eben-falls eine Freitreppe führt, wurde gleichzeitigim Giebel ein großesMadonnenbild in Mosaik auf Goldgrund angebracht.
Im Innern bemerkenswert: am 1. n. Pfeiler ein 'Erzrelief vonP. Viecher. Krönung der h. Jungfrau, als Gedächtnistafel ^Henninge öodmjurec. u (t 1521) errichtet (Wiederholung in Wittenberg ). Am Pfeiler gegen-über in der Nähe eine wunderliche Darstellung der Transsuhstantiation,Ölbild von 1534. Auf der südl. Wand der große Christoph, 1499 in 01 ge-malt. Darunter der Grabstein eines Grafen von Gleichen mit seinen beidenFrauen, xm. Jahrh. Kanzel und Orgelbühne nach Schinkel* Entwurf. NeueGlasmalereien. Auf einem Altar r. vom Chor ein "Holzrelief, die Grab-legung darstellend, mit wohlerhaltener Bemalung (xv. Jahrh.). Ein an-deres Relief mit Stiftern ist von 1429. Im Chor schön geschnitzte Chor-stühle aus dem xv. Jahrh. Der metallene Leuchter, dessen Fuß die sorg-fältig aber typisch gearbeitete Figur eines Betenden darstellt, ist aus demxi. -xii. Jahrh, Schöne Glasmalerein aus dem xiv. Jahrh.
Schöner Kreuzgang an der Südseite, der Westflügel aus der erstenHälfte des xm. Jahrh., mit ronian. Anklängen, das Übrige gotisch. — DieDomtürme, im Übergangstil aus dem Anfang des xm. Jahrh., enthaltenaußer der großen Uhr 10 Glocken, deren größte, die „Maria gloriosa“, dasWahrzeichen von Erfurt , 275 Centner wiegt. Schöne Aussicht (260 Stufen).
Die Severikirche (PI. 15: B 3; ebenfalls katholisch), mit 3spitzen Türmen, aus dem xiv. Jahrh., 1878 trefflich restauriert,enthält gute Reliefs am Altar aus dem Ende des xiv. Jahrh., einenh. Michael von 1472; auf der Spitze des Baldachins über dem Tauf-stein (Ende des xv. Jahrh.) eine Madonnenstatue.
In der inneren Stadt, südl. vom Fischmarkt (S. 152), zeichnensich die Predigerkirche (PI. 13: 0 4) und die Barfüßerkirche(PI. 10: C 4) durch einfach schöne Gotik aus. Erstere, 1228 er-baut, besitzt einen tadellos erhaltenen Schnitzaltar aus Wohlge-muths Werkstatt (1460-70); ein Relief, Anbetung der Könige, von1500, 2 andere mit Stiftern, davon eins von 1442. In der Bar-füßerkirche ein Schnitzaltar aus dem Ende des xiv. Jahrh. undgute Grabsteine aus dem xiv. Jahrh. — Auch die Reglerkirche(PI. 14: D 4) hat einen Altar aus dem xv. Jahrh.
Das Regierungsgebäude (Pi. 24: 04), früher Palast des Main-zischen Statthalters, zuletzt des Koadjutors Karl v. Dalberg, dienteim J. 1808 Napoleon zur Wohnung, als er hier die Fürsten umsich versammelte. — Auf dem „Hirschgarten“ genannten schönenPlatz ein Denkmal für 1866 und 1870/71.
Das ehern. Angustinerkloster (PI. 9: 0 2), in welches Luther am 17. Juni 1505 als Mönch eintrat, ist jetzt Rettungshaus zur Er-ziehung verwahrloster Kinder (Martinssüfl); Erinnerungen anLuther zerstörte größtenteils ein Brand 1872. Die Kirche diente1850 kurze Zeit den Sitzungen des „Unionsparlaments“.