Band 
[Erster Band. - Zweiter Band.]
Seite
129
JPEG-Download
 

129

die er bewilligt, zieht. Niemand sieht eine Schmach darin, so zu verfahre», undeine entgegengesetzte Zumuthung macht sich fast niemals geltend. Wie kommt esnun, daß ein Mensch, der eine Summe Geldes auf die vortheilhastestc Weise sichverwerthen lassen will, indem er sechs, sieben oder selbst zehn Procent daraus zieht,eher den schändenden Namen des Wucherers verdient, als ein anderer, der mit dernämlichen Summe ein Haus kaust, und sich durch diesen Handel einen gleich gro-ßen Gewinn verschafft? Ich gestehe, daß ich Das nicht begreifen kann.

Ferner begreife ich auch nicht, warum der Gesetzgeber wohl das Marimum,aber nicht das Minimum des Zinsfußes bestimmt hat; warum er sich gegen dieKlaffe der Geldcigncr feindlicher beträgt, als gegen jede andere; warum er sie lieberverhindern will, eine» großen, als einen zu kleinen Gewinn zu machen; kurz,warum er nicht eben sowohl Strafen gegen Den gesetzt hat, der einen kleineren Zinsals fünf vom Hundert anbietet, als gegen Den, der einen höheren annimmt. Ichüberlasse es Andere», diese Schwierigkeiten zu löse», denn für mich ist Das zuviel.

' Beuth am.

6) Es ist seltsam, daß Smith eine» so unhaltbaren Satz aufstellt. Offenbar

ist kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß, wenn die Wuchcrgesetzc aufge-hoben und den Leuten erlaubt würde, für die Nutzung des Geldes sich eben so miteinander abzufinden, als es ihnen erlaubt ist, für die Nutzung von Ländereien,Häusern u. s. w. ein Abkommen zu treffe», sie in dem ersteren Falle weniger ihrInteresse im Auge behalten würden, als in dem letzteren. Man zweifelt immer9hr an der Klugheit und dem guten Erfolge solcher Leute, die sich auf neue undungewöhnliche Unternehmungen einlassen, und sie erhalten selten Darleihen untergleich leichten Bedingungen, als Andere, die sich auf gewöhnliche und wohlbekannteGcwcrbszwcigc werfen. Es ist jedoch nicht nöthig, hierüber »och mehr zu sagen,ba die Sache von Bcntham in seinem Briefe an l>r. Smith, in der Vertheidigungdes Wuchers (üotouco ok vsurx), gründlich erörtert und jeder Eiuwurf gegen denUnbedingte» Widerruf der Wuchergcsctzc, der sich auf den Grund stützt, daß ohnessc die Projcktmachcr crmuthigt würden, genügend beantwortet ist. Wir verweisendaher den Leser auf den Artikel: Inivrosl, in der neuen Ausgabe der LnozelopaeelisÜriwimica. Mac Culloch.

7) Wen» dieser allgemeine Satz wahr ist, so ist es um so besser; aber ichbestehe, daß ich nicht einsehe, warum es so sein müßte. Es scheint der schlechteErsatz des angegebenen Versuches in der Absicht erwähnt zu sein, um die Wahrheit

behaupteten Satzes darzuthun; denn es wird ja kein anderer Beweis beigebracht,^ähme man aber auch die Thatsache als richtig an, so sehe ich doch nicht, wie^hinreichen sollte, einen solchen Schluß daraus zu ziehen. Das Gesetz, sagtwurde umgangen: aber wie wurde es Umgänge»? Wie ließ es die Möglich-zu, umgangen zu werden? Das sagt man uns nicht. Es konnte Das anü»e», Fehwr i„ der Abfassung desselben, oder es konnte, was auf Dasselbe hinaus-°wmt, an der Art der Maaßregel» liegen, die man bei seiner Ausführung ergriff,können aber weder in dem einen noch in dem anderen Falle die Umgehungen,

9