Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
102
JPEG-Download
 

1V2

Es scheint nicht, daß die Lehrer, welche die jungen Leute in denMusenkünsten oder den kriegerischen Uebungen unterwiesen, in Rom oder in Athen — derjenigen griechischen Republik, deren Gesetze undSitten wir am Besten kennen — vom Staate bezahlt oder auch nurernannt worden seien. Der Staat verlangte von jedem freien Bür-ger, daß er sich zu seiner Vertheidigung im Kriege geschickt macheund sich deshalb militärisch übe; aber er überließ es ihm, dieseUebungen bei einem Lehrer zu machen, wie er ihn gerade findenkönnte, und gab, wie es scheint, zu diesem Zwecke Nichts als einFeld oder einen Platz her, wo die Uebungen gehalten werdenkonnten.

In den frühesten Zeiten der griechischen und römischen Republik scheinen die übrigen Unterrichtsgegcnständc im Lesen, im Schreibenund im Rechnen nach der damaligen Rechenkunst bestanden zu haben.Diese Fertigkeiten ließen die reicheren Bürger ihren Kindern gewöhn-lich zu Hause durch einen Hauslehrer, einen Pädagogen, der in derRegel ein Sklave oder ein Freigelassener war, beibringen; die ärme-,ren Bürger schickten ihre Kinder in die Schulen solcher Lehrer, welcheaus dem Unterrichtgcbcn für Geld ein Gewerbe machten. Daß dieKinder aber überhaupt Unterricht erhielten, das war lediglich derSorge der Acltcrn oder Vormünder überlassen, und der Staat scheintsich in dieser Beziehung niemals eine Aufsicht oder Leitung angemaßt,zu haben. Nur waren nach einem Solonischcn Gesetze die Kindernicht verpflichtet, ihre Acltern im Alter zu ernähren, wenn diese esunterlassen hatten, sie in einem nützlichen Gewerbe oder Geschäfteunterrichten zu lassen.

Als die Verfeinerung zunahm, und Philosophie und Rhetorikin Aufnahme kamen,> pflegten die besseren Stände ihre Kinder in dieSchule der Philosophen und Rhctoren zu schicken, um sie in diesenMode gewordenen Wissenschaften unterrichten zu lassen. Aber dieseSchulen wurden nicht vom Staate unterhalten, und lange Zeit bloßvon ihm geduldet. Die Nachfrage nach Philosophie und Rhetorikwar lange Zeit so gering, daß die ersten Lehrer, welche sie als Be-rufsgeschäft trieben, in keiner Stadt fortdauernde Beschäftigung fan-den, sondern gezwungen waren, von einem Orte zum anderen zuwandern. Auf diese Weise lebten Zcno von Elca, Protagoraö,