den gemeinen Mann. Er muß also seinerseits nach eben den Grund-sätzen der Sittlichkeit leben, welche der gemeine Mann am Meistenin Ehren hält. Die Achtung und Liebe dcS Letzteren gewinnt ergerade durch denjenigen Lebenswandel, den er um seines eigenenInteresses und seiner Lage willen führen mnß. Die gemeinen Lcntesehen auf ihn mit jener Art des Wohlwollens, mit der wir einePerson zu betrachten Pflegen, die sich unserem eigenen Stande nähert,und von der wir doch glauben, daß sie einem höheren angehört.Ihr Wohlwollen aber ruft auch natürlich das scinigc hervor. Ergiebt sich Mühe, sie zu unterweisen, und thut alles Mögliche, umihnen bkizustehcn und zu helfen. Selbst die Vorurthcile der Leute,die gegen ihn so günstig gesinnt sind, verachtet er nicht, und behan-delt sie niemals mit jenem geringschätzigen und anmaßlichen Stolze,dem man so oft bei den hvchmüthigcn Würdenträgern reicher undwvhldotirter Kirchen begegnet. Darum hat auch die preöbhtcria-nischc Geistlichkeit mehr Einfluß auf den Geist dcS gemeinen Volkes,als ihn die Geistlichkeit irgend einer anderen herrschenden Kirchehaben kann. Und deshalb findet man auch nur in prcSbyteria-nischcn Ländern, daß daS gemeine Volk fast ohne alle Ausnahmeund durchaus ohne Zwang und Verfolgung zur herrschenden Kirchebekehrt ist.
In Ländern, wo die meisten kirchlichen Pfründen sehr mäßigsind, giebt ein Lchrstuhl auf einer Universität gewöhnlich eine bessereVersorgung, als eine kirchliche Pfründe. In diesem Falle habendie Universitäten die freicste Auswahl aus allen Theologen des Lan-des , die in allen Ländern bei Weitem die zahlreichste Klasse der Ge-lehrten ausmachen. Wo dagegen die Kirchcnpfründcn zum großenTheil sehr ansehnlich sind, da zieht die Kirche natürlich die meistenausgezeichneten Gelehrten von den Universitäten an sich: denn einsolcher Gelehrter findet leicht einen Patron, der dadurch Ehre ein-legen will, daß er jenem eine bedeutende kirchliche Stellung ver-schafft. In der ersteren Lage der Dinge ist zu erwarten, daß wirdie Universitäten mit den ausgezeichnetsten Gelehrten des Landesbesetzt sehen; in der letzteren hingegen werden wir nur wenige aus-gezeichnete Männer auf den Universitäten finden, und auch diesewenigen nur unter den jüngeren Mitgliedern, welche ihr Wahlschein-