Band 
[Dritter Band. - Vierter Band.]
Seite
282
JPEG-Download
 

282

derselben Familie zu bleiben Pflegten, zur Genüge, wie allgemein dieNeigung war, nicht mehr, als man einnahm, auszugeben. Maguns auch die bäurische Gastlichkeit, die jene großen Landedellcuteununterbrochen übten, nach unserer heutigen Anschauungsweise wenigmit derjenigen Ordnung verträglich zu sein scheinen, welche wir jetztals von einer guten Haushaltung unzertrennlich ansehen: so müssenwir doch immer gestehen, daß sie wenigstens in so weit wirthschaft«lich waren, als sie gewöhnlich nicht ihr ganzes Einkommen aus-gaben. Von ihrer Wolle und ihren rohen Häuten hatten sie ge-wöhnlich Gelegenheit, einen Theil für Geld zu verkaufen. Einigesvon diesem Gelde gaben sie vielleicht für den Ankauf der wenigenPracht- und Lurusgegenstände aus, die sie sich unter den damaligenZeitumständen verschaffen konnten; das Uebrige scheinen sie gewöhn-lich zurückgelegt zu haben. Sie konnten auch wohl nichts Anderesmit dem Ersparten ansangen, als es zurücklegen.. Handel und Ge-werbe zu treiben war für einen Edelmann entehrend, und sein Geldauf Zinsen auszuleihcn war, da es für Wucher galt und durch dasGesetz verboten war, noch entehrender. Ueberdies war es in jenenZeiten der Gewaltthätigkeit und Unordnung sehr gut, einen Schatzvon baarem Gelde liegen zu haben, um in dem Falle, daß man ausseinem Hause vertrieben würde, Etwas von anerkanntem Werrhe zuhaben, was man nach einem Orte der Sicherheit mitnehmen konnte.Ebendieselbe Gewaltthätigkeit, die es rathsam machte, einen Schatzzu sammeln, machte es auch rathsam, ihn zu verbergen. Die Mengeder gefundenen Schätze, deren Eigenthümer unbekannt war, beweistzur Genüge, wie häufig damals das Sammeln und Verbergen einesSchatzes sein mußte. Gefundene Schätze galten damals als einnicht unbedeutender Zweig des landesherrlichen Einkommens. Heu-tiges Tages würden vielleicht alle im ganzen Königreiche gefundenenSchätze selbst für einen ziemlich »ermöglichen Privatmann nicht mehreinen bedeutenden Zweig seines Einkommens ausmachen.

Bei dem Fürsten herrschte dieselbe Neigung zum Sparen undZurücklegen als bei seinen Unterthanen. Unter Völkern, denen Han-del und Branufakturen wenig bekannt sind, ist, wie ich schon imvierten Buche gezeigt habe, der Landesherr in einer Lage, die ihnnatürlicherweise zu einer aufhäufenden Sparsamkeit geneigt macht.