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Der Tod in Venedig : Novelle / von Thomas Mann
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Abbild und Gleichnis hier leicht und hold zur An-betung aufgerichtet war. Das war der Rausch; undunbedenklich, ja gierig hieß der alternde Künstlerihn willkommen. Sein Geist kreißte, seine Bildunggeriet ins Wallen, sein Gedächtnis warf uralte, seinerJugend überlieferte und bis dahin niemals von eigenemFeuer belebte Gedanken auf. Stand nicht geschrieben,daß die Sonne unsere Aufmerksamkeit von den in-tellektuellen auf die sinnlichen Dinge wendet? Siebetäube und bezaubere, hieß es, Verstand und Ge-dächtnis dergestalt, daß die Seele vor Vergnügenihres eigentlichen Zustandes ganz vergesse und mitstaunender Bewunderung an dem schönsten der be-sonnten Gegenstände hangen hleibe: ja, nur mit Hilfeeines Körpers vermöge sie dann noch zu höhererBetrachtung sich zu erheben. Amor fürwahr tat esden Mathematikern gleich, die unfähigen Kinderngreifbare Bilder der reinen Formen vorzeigen: Soauch bediente der Gott sich, um uns das Geistigesichtbar zu machen, gern der Gestalt und Farbemenschlicher Jugend, die er zum Werkzeug der Er-innerung mit allem Abglanz der Schönheit schmückteund bei deren Anblick wir dann wohl in Schmerzund Hoffnung entbrannten.

So dachte der Enthusiasmierte; so vermochte er zuempfinden. Und aus Meerrausch und Sonnenglast

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