IOO HABE ICH IHM IRGEND ETWAS VERSPROCHEN?
wir das symbolisch sein! Fassen wir es auf als Symbolfür das Europa , auf das wir hoffen und an das wir glau-ben ! Es wird weder ein französisches Europa sein nochein deutsches. Wir werden französisch sprechen, undwir werden deutsch sprechen, und wir werden einanderdennoch gut verstehen!“ — Großes Händeklatschen.Man muß diesen Leuten Pointen schnitzen, das habensie gern. Es war aber eine aufrichtig ernstgemeintePointe, und sie wurde auch so verstanden.
Auflösung der Tafelrunde. Meine Gefährtin ver-sicherte, sie habe sich mit ihrem Tischherrn, ProfessorMeillet vom College de France , ganz ungewöhnlich gutunterhalten. Er hat eine indoeuropäische Grammatikgeschrieben, die höchsten Rufes genießen soll, und be-schäftigt sich hauptsächlich mit den alten slawischenSprachen. — Gedränge und lautes Geplauder beim Kaffeedroben in der Bibliothek, im Zigarrenrauch. Benom-menheit vom Weißwein und vom Trubel. WelcheFülle der Gesichte! Mit einzelnen weiß ich gar nichtsmehr anzufangen. Da war im Nebel ein seltsam exo-tischer, älterer kleiner Mann mit ungeheurer Stirn — erhieß Benrubi und war Philosoph, ich bin im Besitz seinerKarte. Habe ich ihm irgend etwas versprochen? DerHimmel weiß es, und der Meister möge mir verzeihen,wenn ich mein Wort nicht halte, — ich habe keineAhnung mehr, welches ich gegeben. Ein Amerikanerkannte etwas von mir. Es war der „Untertan“. Ichsteckte seine Komplimente vorläufig ein, gebe sie aberhiermit an die große Adresse weiter, der sie gebührenund von welcher in einem Gespräch mit Iwan Goll undseiner Frau sehr anregend die Rede war. Wir fandenes merkwürdig, wie bei uns Brüdern das Deutsche und