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Bemühungen : neue Folge der gesammelten Abhandlungen und kleinen Aufsätze / Thomas Mann
Entstehung
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322
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— Z22 —

Wenig zu tun hat, — dadurch, meine ich, daß auch wir nun vorAufgaben gestellt, daß auch auf unsere Schultern Lasten ge-legt sind, denen die Stärksten unter ihnen kaum gewachsenwaren? Schöpfen wir Mut und brüderlichen Trost aus demAnblick ihrer Menschengesichter! Stärken wir uns in Betrach-tung der mächtigen Miene des arbeitenden Tolstoi.

Wahrhaftig, welche Charaktermasken! Es ist schrecklich, dasBildGogols vomJahre in seiner dämonischen Affektiert-heit anzuschauen, — man denkt dabei an die einzige Stelle, woer bei Nietzsche vorkommt: „Diese großen Dichter, diese Byron,Müsset, Poe, Leopard!, Kleist, Gogol — ich wage es nicht, vielgrößere Namen zu nennen, aber ich meine sie —, so rvie sie nuneinmal sind, sein müssen: Menschen .... mit Seelen, an denengewöhnlich ein Bruch verhehlt Werden soll, oftmitihren WerkenRache nehmend für eine innere Besudelung, oft mit ihren Auf-flügen Vergessenheit suchend vor einem allzu treuen Gedächt-nis, Idealisten aus der Nähe des Sumpfes ...." Es ist auchschrecklich (und rührend bis in den Grund der Seele!), wiederDostojewskis bleiches Heiligen- und Verbrecherantlitz zu be-trachten und die höchst unheimliche Zierlichkeit seiner Notizenzu dem unvollendeten Roman vorn,, Großen Sünder" mit denmechanisch hingestrichelten gotischen Zeichnungen und kalli-graphischen Übungen am Rande ... Aber wissen möchte ichbei alledem, wie dem Nachwuchs, unseren Altersgenossen undKollegen, den Bunin, Alexej Tolstoi (der aussieht wie PierreBesuchoj), Bjelyi, Remisow und wie sie heißen — zu Mutesein, welch ein banger Stolz ihnen die Brust beklemmen mag,sich diesen Ahnen angereiht zu sehen.

„ZweiErlebnisse sind es," schrieb ich Ihnen für eine russischeAnthologie, „welche den Sohn des 19. Jahrhunderts zur neuenZeit in Beziehung setzen, ihm Brücken in die Zukunft bauen: