Einleitung’.
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man der Volksheilkunde zuwandte, zeigte, wie reich die Schätzewaren, die die Natur darbot, und man säumte nicht, sich ihrerzu bedienen. Die Erfolge, die man auf diese Weise erzielt hat,sind als sehr grosse zu bezeichnen, die Pharmocopoe von Indien ,diejenige der Vereinigten Staaten von Nordamerika , die vonMexico zeigen, soweit sie die Drogen betreffen, einen ganz anderenCharakter, wie die meisten von Europa . Wenn auch der obencitirte Ausspruch des alten Tabernaemontanus, dass jedem Volknur diejenigen Heilkräuter dienlich sind, die im eigenen Landewachsen, falsch ist, so ist es doch für die meisten Länder zu-treffend, dass sie einen sehr grossen Theil ihres Bedarfes an Heil-pflanzen der eigenen Flora entnehmen können, und wie wir jetztfür manche Länder sagen dürfen, auch thatsächlieh entnehmen.
Selbstverständlich blieb das Studium nicht dabei stehen, füreine möglichst grosse Anzahl der „alten“ Heilpflanzen „Parallel-pflanzen“ in der eigenen Flora aufzusuchen, sondern man lerntePflanzen kennen, deren Eigenschaften nach irgend einer Richtungdie bisher bekannten übertrafen, sei es, dass sie Wirkungenäusserten, die man bisher nicht kannte, sei es, dass sie schonbekannte Eigenschaften in besonders hohem Masse zeigten, sei esendlich, dass sie unangenehme Nebenwirkungen, die die Ver-wendung mancher Drogen mehr oder minder erschwerten, nichtzeigten. Aus diesen Arbeiten hat die Wissenschaft grossen Nutzengezogen, die Bekanntschaft eines Theiles der wichtigsten neuerenHeilpflanzen ist uns auf diese Weise vermittelt worden.
Daneben kommt noch anderes in Betracht, was freilich vondem soeben Skizzirten nicht immer scharf zu trennen ist. Nebendiesen planmässigen Arbeiten, die mit der ausgesprochenen Ab-sicht unternommen wurden, die Heilkunde zu bereichern, sindder letzteren die zahlreichen Reisen und Studien, die den Zweckhatten, die Natur fremder Länder zu erforschen, in hohem Massezu gute gekommen. Vielfach begnügt sich der botanische Reisendenicht, die Pflanzen einzusammeln und nur für die Botanik zubearbeiten, sondern er sucht Nachrichten zu erlangen über dieVerwendung derselben in der Heilkunde der Wilden, bei Gottes-urtheilen, bei religiösen Festen, zur Herstellung von Pfeilgiften,von Fischgiften u. s. w. Aebnliches bringt der Ethnograph mitheim, der sein Hauptaugenmerk den Menschen zuwendet, und diezahllosen Fäden findet, die den Menschen mit der ihn umgebendenNatur verbinden, dieselben Fäden, auf die der Botaniker, vonder anderen Seite kommend, stiess. Der Arzt, der in einemfremden Lande thätig ist, findet bei den Eingeborenen Mittel imGebrauch, die ihm fremd sind, von deren Wirksamkeit er sichaber überzeugt. Zuerst vielleicht aus Noth, weil ihm die alt-gewohnten Mittel, die er auf den europäischen Hochschulen kennenlernte, fehlen, nimmt er zu ihnen seine Zuflucht und überzeugtsich bald von ihrer Vortrefflichkeit. Der junge Kaufmann, der