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Ueber das technische Schul- und Vereinswesen Frankreichs / von Wilhelm von Nördling
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Diese drei Gewerbeschulen sind vom Staate behufs Ausbildungvon Werkführern und Vorarbeitern ganz gleichmässig mit dreijähri-gem Lehrcurs alsInternate organisirt, d. h. die Schüler erhalten darinKost und Wohnung, und tragen Uniform. Ausländer werden nicht zuge-lassen. Die theoretischen Lehrgagenstände sind: Arithmetik, Geometrie,Algebra, ebene Trigonometrie, darstellende Geometrie, Mechanik,Cinemathik, Physik, Chemie, Zeichnen, Geographie, Buchhaltung undfranzösische Sprache. Neben der theoretischen Ausbildung erhaltendie Schüler aber auch eine praktische, und zwar in vier Werkstätten:einer Modelltischlerei, einer Giesserei, einer Schmiede- und einerAdjustirung, in denen die Zöglinge hämmern, drehen, feilen u. s. w.Auf diese praktischen Uebungen wird sogar mehr Zeit, nämlich täglich7 bis 7 1 / 2 Stunden verwendet, während auf die Theorie und dasZeichnen nur 5 bis 5 1 / 2 Stunden kommen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die in Rede stehendenGewerbeschüler in der Regel nur bescheidenere Lebensstellungen er-reichen, z. B. als Heizhausleiter, Eisenbahnbauführer, Maschinistender Kriegs- und Handelsflotte, Conducteurs des Ponts-et-chaassees,Werkführer in Fabriken u. s. w r . Allein auch hier zeigt es sich, dassnatürliche Begabung und individuelle Strebsamkeit im Grunde ausschlag-gebender für die Laufbahn sind, als blosse Schuldressur, denn manfindet frühere Gewerbeschüler auch nicht selten in nichtsvmniger alsuntergeordneten Stellungen. So sind z. B. die technischen Leiterzweier der bekanntesten Eisenbauwerkstätten Frankreichs (Gouin undFives-Lille), der Obermaschinenmeister eines der grösseren Bahnnetze,ja auch ein Linienschiffslieutenant, ein Geniemajor, ein Artilleriemajor,ein Senator und selbst ein Mitglied des Instituts unseres Wissensaus den Gewerbeschulen hervorgegangen und wir fürchten, nochschlagendere Fälle zu übergehen. Manchmal gelingt auch den absol-virten Gewerbeschülern noch ihre Aufnahme in die Central- oder garin die polytechnische Schule.

Die drei Gewerbeschulen zusammen haben Raum für 900 (frü-her 600) Schüler und können also jährlich deren 300 aufnehmen.Das Schulgeld beträgt jährlich 600 Fr. (inclusive Kost und Wohnung)und dazu kommen noch für die einmalige Ausstattung (trousseau)250 Fr. beim Eintritt. Da jedoch den Unbemittelten mit grosserFreigebigkeit die gänzliche oder theilweise Unentgeltlichkeit gew'ährtwird, so beträgt der jährliche Zudrang nicht weniger als 1000 bis 1100Candidaten. Diese dürfen nur 14 bis 16 Jahre alt sein und haben erst(Vergl. IV. a und X. a) in den Departementshauptstädten einVorexamen und, falls sie demselben genügt, vor den eigentlichen

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