Buch 
Geschichte des Tabaks und anderer ähnlicher Genussmittel / von Friedrich Tiedemann
Entstehung
Seite
113
JPEG-Download
 

113

dern Amerikas zu den größten Plagen gehören. Auf solcheWeise wurden die Indianer mit dem ihnen angenehmen Duftund der erregenden Wirkung des Tabakrauchs bekannt. DasWohlgefallen an demselben bestimmte sie auch wohl selbsttrockene Blätter zusammenzurollen, in den Mund zu neh-men, anzuzünden und den Rauch einzuziehen, was ihnen einenangenehmen Kitzel in der Zunge verursachte, Unterhaltunggewährte und zugleich ein Mittel zur Bertreibung von Lange-weile wurde. Außerdem mußten die Indianer, denen es oftan Nahrungsmitteln gebricht, bald die Erfahrung gemachthaben, daß der Rauch des Tabaks das Gefühl des Hungersabstumpft, und so wurde das Rauchen auch gegen diese Plagein Anwendung gebracht. Das trockene Kraut des Tabakswurde nach und nach nicht nur gesammelt, sondern sie pflanz-ten auch Tabak in der Nähe ihrer Wigwams, ihrer Zelteund Hütten, und sie erfanden Geräthschaften, aus denen sieTabak rauchten, um sich nach Belieben seiner Wirkungenerfreuen zu können.

Die aufregende und berauschende Wirkung des Tabak-rauchs, sowie vielleicht auch die in Erfahrung gebrachte guteEigenschaft der grünen Tabakblätter, als Wundkraut zu die-nen, gaben wohl die Veranlassung, daß die Indianer demTabak übernatürliche Kräfte zuschrieben, und ihn daher alsein Geschenk der Gottheit, der Sonne, oder des in ihr woh-nenden Großen Geistes, des Manitto, ansahen, und daherfür ein heiliges Kraut hielten. Darin stimmen alle Nachrich-ten der älteren Reisenden überein, daß die Bewohner Haytis,Eubas, der Antillen, Floridas und aller Länder Nordamerikas den Tabak ein heiliges Kraut nannten, und dies ist bei allenNordamerikanischen Indianern bis auf den heutigen Tag nochder Fall. Sie sehen den Rauch des Tabaks zugleich als etwas

8