857
ohnmächtig. Der hinzugerufene Arzt fand ihn mit bleichem,entstelltem Antlitz, und tief in ihre Höhlen eingesunkenen mattenAugen. Der Unterkiefer hing herab, und es floß beständigein dünner, wässeriger Speichel aus. Die Zunge war infortwährender zitternder Beweguug. Es zeigte sich ferner Nei-gung zum Erbrechen, doch erbrach sich der Kranke nicht. DerUnterleib war sehr aufgetrieben, hart und gespannt. Häufigund unbewußt hatte er wässerige, mit Blut vermischte Darm-Ausleerungen. Der Urin war wasserhell, die Haut kalt undmit Schweiß bedeckt. Die Gliedmaßen zitterten beständig.Der Puls war kaum zu fühlen, langsam und aussetzend.Das Athmen erfolgte bald sehr schnell und kurz, bald selten,tief und aussetzend. Es stellte sich eine Ohnmacht ein. Nacheinem gereichten Brechmittel wurde eine braune, nach Tabakriechende Flüssigkeit ausgeleert. Der Kranke trank viel lau-warme Milch. Bei fortdauerndem Schmerz im Unterlcibewurden Blutegel angelegt und Klystiere von Leinsamen-Schleimangewendet. Binnen 12 Stunden besserte sich der Zustandso weit, daß das Antlitz seinen natürlichen Ausdruck wiederannahm, die Kälte der Haut und die kalten Schweiße ver-schwanden, die blutigen Durchfälle aufhörten und der Pulsund das Athmen wieder normal wurden. Die Muskelschwächeaber dauerte noch eine Zeit lang fort.
Es sind ferner Beobachtungen vorhanden, in denen zu-fällig mit Speisen oder Getränken in den Magen gelangterTabak Vergiftungs-Zufälle verursacht hat. Einen merkwür-digen Fall der Art hat Dr. Barkhausen ') mitgetheilt. Ineiner armen Familie in Bremen zeigten sich, nach dem Genuße
0 Medicin. Zeitung des Vereins für Heilkunde in Preußen 1836.Nr. 7. S. 33.