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Geschichte des Tabaks und anderer ähnlicher Genussmittel / von Friedrich Tiedemann
Entstehung
Seite
378
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Das Tabakrauchen hat unverkennbar Veränderungen imFamilienleben nach sich gezogen. In früherer Zeit pflegte mei-stens die ganze Familie, der Hausvater, die Hausmutter und dieKinder, nur ein gemeinsames Gemach zu bewohnen, in dem oftauch das Gesinde verweilte. Seit dem Eindringen des wider-lichen, scharfen und narkotischen Tabakdampfs, der den Frauenund Kindern nicht zusagte, mußte der Tabak rauchende Familien-vater das gemeinsame Wohnzimmer verlassen, und ein beson-deres Gemach einnehmen, in das er mit seinen Tabak-Ge-räthschaften und Büchern verwiesen wurde. So löste sich derengere häusliche Familienkreis auf, was in ökonomischer Hin-sicht mit größeren Ausgaben für eine geräumigere Wohnung,so wie für Heizung und Beleuchtung verbunden war.

Das immer allgemeiner gewordene Tabakrauchen äußertferner einen nachtheiligen Einfluß auf das gesellige Leben,und hat eine schroffere Sonderung der Geschlechter als infrüherer Zeit nach sich gezogen. Die dem Rauchen ergebenenMänner fliehen den Umgang der dem Tabak abholden Frauen,und haben die Gewohnheit angenommen, um sich ungestörtdem Rauchgenuß zu überlassen, den Abend in einem Kaffee-haus, einer Bier- oder Weinschenke, oder an sogenanntenErholungsorten zuzubringen, welche den Namen Museum,Harmonie, Union, Casino oder Club führen. Diese Drte, indenen ein erstickender Tabakqualm verbreitet ist, in dem oft dieLichter kaum brennen, üben wie bekannt auf die meistenMänner aller Stände eine unwiderstehliche Anziehung aus,wo sie jeden Abend verweilen. Hier werden die Zeitungengelesen, die Tages- und Stadtneuigkeiten besprochen, undhier wird die Politik verhandelt. Da vernimmt man dielärmenden Streitigkeiten der durch das narkotische Kraut desTabaks und den Genuß spirituöser Getränke erhitzten Par-