385
genauer Erwägung doch für die Wohlfahrt der Gesammt-.Bevölkerung als nachtheilig.
Der Tabak verlangt zu seinem Gedeihen einen sehr guten,fruchtbaren Boden, welcher dem Anbau der Brod gebendenCerealien und der sehr nahrhaften Hülsensrüchte entzogenwird. Seit der sich immer mehr ausbreitenden Cultur deSTabaks ist dieser Preis der besten und kräftigsten Nahrungs-mittel fortdauernd im Steigen, und ihr Genuß wird daherbei den unteren Bolksklassen immer seltener, was für derenWohl und Kraft die nachtheiligsten Folgen hat.
Dazu kommt, daß die Cultur des Getreides noch vonanderen Seiten sehr beeinträchtigt wird, namentlich durch diein neuerer Zeit ebenfalls ungemein in Zunahme begriffeneAnpflanzung von Runkelrüben, zur Erzeugung eines anderenLuxusartikels, des Zuckers, den man sonst gleich dem Tabaknur aus den Kolonien bezog. Viele tausend Morgen desfruchtbarsten Ackerlands werden jetzt mit Runkelrüben bepflanzt,und ihre Cultur macht mit jedem Jahr größere Fortschritte,wodurch der Anbau der Cerealien ebenfalls sehr beeinträchtigtwird. Runkelrüben-Zuckerfabriken sind in Deutschland undFrankreich fast überall angelegt. In den Landern des Zoll-vereins sollen nach den neusten Angaben jährlich gegen18,000,000 Centner Rüben durch 190 Fabriken verarbeitetwerden. In Böhmen bestehen gegenwärtig 61 Runkelrüben-Zuckerfabriken und in Mähren 30. In der ganzen Oester-reichischen Monarchie wurden im Jahre 1881 8,283,202Centner Rüben zu Zucker verarbeitet, gegen zwei und einehalbe Million mehr als im Jahr 1817. Der Erlös ausder Rüben-Zucker-Fabrication betrug im Jahr 1881 in derOesterreichischen Monarchie die Summe von 419,267 Gulden.Ebenso verbreitet ist die Runkelrüben-Zucker-Fabrication in
28