— 314
von nun an gottesdienstliche Verrichtungen an der Pfarrkirche Ratpolds-kilch zu besorgen. Der Dienst, welcher ihm neben seiner Kapelle vonjeher auch noch an der Hauptkirche zu Adetsweil obgelegen, scheint beider Aufhebung der letzter« in der Weise getheilt worden zu sein, daßman ihm statt desselben, wahrscheinlich aus ökonomischen Ursachen, Ber-richtungen an den beiden neuentstandenen Pfarrkirchen Bäretsweil undRatpoldskilch überband und in dieser Doppelstellung ist er verbliebenbis zur Reformation.
Da das Einkommen der Geistlichen jener Zeit zum größten Theilin Naturalien bestand, was daraus hervorgeht, daß man ihnen bleibendLändereien zur Benutzung überließ, so mußte natürlich auch die neu-errichtete Pfrund entsprechend bewidmet, d. h. mit Pfrundgütern aus-gestattet werden. Dieß scheint in hinreichendem Matze stattgefunden zuhaben; denn das hiesige Wydum erstreckte sich vom Büchlein im Unter-dorf Oberwetzikon bis nach Stegen und Untermedikon, bei welch letzteremOrte es an Liegenschaften des Klosters Rüti , an das Rütiwydnm, stieß.
Die Ortschaften Auslikon und beide Balm trennten sich nach eineruns unbekannten Reihe von Jahren, vielleicht aus politischen Gründen,wieder von Ratpoldskilch ab und vereinigten sich mit ihrer jetzigen KirchePfaffikon, welcher sie vermuthlich den im Kemptner Zehntenbezirk ge-legenen, sogenannten „Langsurrenzehnten" als Einkauf zubrachten.
Die fernern Nachrichten über die Ratpoldskilch sind nur sehr spär-lich. Im Jahre 1258 verzichtete daselbst der Freie Hermann von Bon-stetten zu Gunsten des Chorherrenstiftes Zürich auf seine Ansprüchebezüglich eines Zehntens zu Egg. Unter den Zeugen erscheint Ulrichvon Wetzikon, Bruder des Johanuiterritterhauses zu Bubikon .
Am 28. Sept. 1263 sind obiger Ulrich und Hermann, der Vize-leutpriester zu Ratpoldskilch, Zeugen bei der dortigen Beste, als RitterJohannes von Wetzikon mit Einwilligung und Zustimmung seiner Ge-mahlin, Jda von Teufen, alle seine Güter bei Tegerfelden im Kanton
Aargau den Johanniterbrüdern in Klinqnau um 100 Mark Silber
verkaufte.
Das älteste Verzeichniß der Kirchen und Kapellen unserer Gegendstammt aus dem Jahre 1275. Dasselbe liegt im bischöflichen Archive
zu Freiburg im Breisgau und gibt uns Kunde davon, was für Gottes-
häuser zu den Zeiten Kaiser Rudolfs von Habsburg in unserer Land-schaft sich befunden haben. Es war nämlich auf einer Synode zu Lyon im Jahre 1274 unter Papst Gregor X. ein neuer Kreuzzug nachJerusalem beschlossen und zur Bestreitung der Unkosten desselben fest-gesetzt worden, daß jeder Inhaber einer geistlichen Pfründe sechs Jahrelang und zwar vom Feste Johannes des Täufers 1274 bis dahin 1280den zehnten Theil seiner Einkünfte dazu beizusteuern verpflichtet sein solle.Den Einzug für die Gotteshäuser unserer Gegend besorgte der Bischofvon Konstanz und fertigte darüber das vorhin erwähnte Verzeichniß an.