Buch 
Elemente der Psychophysik / von Gustav Theodor Fechner
Entstehung
Seite
539
JPEG-Download
 

Succession derZeit, welche sich als Forterhaltung der Identitätoder Einheit desselben durch den Zeitlauf ausspricht und den Zu-sammenhang einer Reihe successiver Phänomene in derselben Seelebegründet. Hiebei kann man es auffallend linden, dass das zeit-weise Sinken der llauptwelle im Schlafe unter die Schwelle keineentsprechende Unterbrechung der Continuität des Ilauptbewusst-seins bei dem Individuum hervorrufl, als das räumliche Sinkenunter die Schwelle zwischen den Individuen, da sich vielmehrnach jedem neuen Erwachen das neue Bewusstsein in Conli-nuität mit dem alten fühlt. Dieser Unterschied kann mit Wahr-scheinlichkeit darauf geschrieben werden , dass die Oscillationjedes psychophysisch thäligen Punctes der Zeit nach continuirlichin sich bleibt, wogegen eine räumliche Continuität wegen der,von der cxacten Naturwissenschaft statuirten und nothwendig zustatuirenden atomistischen Disposition der Materie an sich nichtstatllindel, daher auch nur insofern von einer Continuität derWelle oberhalb der Schwelle die Rede sein kann, als die Reihen-folge der psychophysisch thäligen Theilchen oberhalb der Schwellenicht durch solche unter der Schwelle unterbrochen ist, wobeider Zukunft noch manche genauere Bestimmung zu machen übrigbleibt.

So wenig die Continuität des Hauptbewusstseins in der Zeitdurch das Heralisinken der psychophysischen llauptw elle im Schlafeunterbrochen wird, so wenig ist es der Fall durch den Uebergangauf ganz andere Materien, und durch den Wechsel der Formen,wie sich erlährungsmässig dadurch beweist, dass der Organismussich durch den Stoffwechsel fortgehends erneuert, und der Leibdes Greisen im Allgemeinen aus ganz anderen und in anderenFormen zusaminengelässten Materien besteht, als der des Kindes,ohne dass die Continuität des Hauplbewusslseins irgendwie da-durch unterbrochen wird. Ucberhaupt sind, so weit wir Erfah-rungen darüber machen können, nur Möglichkeiten bekannt, die-ses Continuum zeitweise unbewusst werden zu lassen, indem dieSeele in Schlaf versinkt, aber nicht die Continuität aufzuheben,indem nach jedem Erwachen das frühere Bewusstsein sich iden-tisch mit dem alten verknüpft, und das System aus der neuenMaterie das frühere Bewusstsein identisch fortbehält.

Eine Bedingung besteht hiebei. Die Seele kann im Zeitlaufevon einem materiellen Systeme auf ein nach Stoff und Form ganz