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Practisches Mineralsystem / entworfen von Rudolf Augustin Vogel
Entstehung
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280
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Schmelzbare Salze.

lauge, Mutterlauge oder Salpetermutter zur Verfertigungder weißen Magnesia aufbewahret. Die Lauge, womit derSalpeter, wie ich schon gemeldet, zur Vollkommenheit ge-bracht wird, ist die gemeine Scifensicderlauge von Holz-asche und ungelöschtem Kalke. Die Beymischung abergeschieht nicht auf allen Salpeterhütten auf einerley Weise.An einigen Orten gießen sie die Lauge, welche insgemein auszwey Theilen Asche von hartem Holze und drey Theilen Kalkgemacht wird, auf die Salpetcrerde bemn ersten Auslaugen:an andern schütten sie die Asche und Kalk zur Salpetererde,und laugen beydes zugleich aus: an andern laugen sie dieSalpetererde zuerstmicwarmemWasser aus, und vermischenhernach diese Lauge mit jener. Wo in der Nahe viele Sei-fe gemacht wird, da bedienen sie sich der Seifcnsiederlauge.An den meisten Orten in Deutschland wird das Gemischezur Lauge mit der Salpetererde in großen Tonnen, worinneein Boden von Stroh ist, stratificiret, und alsdcnn mitheißem Wasser ausgelauget. Wenn es nun eine Weile ge-starben; so wird das Lirivium abgezapft, ander Wasserdarüber gegossen, und hiermit so lange fortgefahren, bisdas Wasser nicht mehr salzicht schmeckt; da denn dieausgelaugte Erde wieder hinaus an die Luft an schattichteOerter gcstürzet wird, wo sie in Zeit von etlichen Jah-ren wieder von neuem salpetericht wird, und auch vonneuem wieder kann ausgelauget werden. An vielen Or-ten können sie mit der einmaligen Auslaugung keinenfesten Salpeter gewinnen, sondern sie müssen die Lau-ge von neuem auf frisches Mengsel gießen, und es al-so stärker machen. Man hat zwey Proben, zu erfahren,ob die Lange zum cristallisiren stark genug ist: die ersteist, wenn dieselbe auf kaltem Eisen sogleich erstarret,indem der Salpeter im Sude ist; die zweyte, wenn daserkaltete Salz auf einer glühenden Kohle ziemlich hur-tig wegbrennt.