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ausgedehntesten Verbreitung auf der Erde fähig sind. DieMenschenraccn sind Formen einer einzigen Art,welche sich fruchtbar paaren und durch Zeugung fortpflan-zen; sie sind nicht Arten eines Genus: wären sie daSletztere, so würden ihre Bastarde unter sich unfruchtbarsein. Ob die gegebenen Menschenracen von mehreren oderEinem Urmenschen abstammen, kann nicht auö der Erfah-rung ermittelt werden." 8
Die geographischen Forschungen über den alten Sitz,die sogenannte Wiege des Menschengeschlechts habenin der That einen rein mythischen Charakter. „Wir ken-nen", sagt Wilhelm von Humboldt in einer noch un-gedruckten Arbeit über die Verschiedenheit der Sprachenund Völker, „geschichtlich oder auch nur durch irgend sichereUeberlieferung keinen Zeitpunkt, in welchem das Menschen-geschlecht nicht in Völkerhaufen getrennt gewesen wäre.Ob dieser Zustand der ursprüngliche war oder erst späterentstand, läßt sich daher geschichtlich nicht entscheiden. Ein-zelne, an sehr verschiedenen Punkten der Erde, ohne irgendsichtbaren Zusammenhang, wiederkehrende Sagen verneinendie erstere Annahme, und lassen daS ganze Menschen-geschlecht von Einem Menschenpaare abstammen. Die weiteVerbreitung dieser Sage hat sie bisweilen für eine Urerin-nerung der Menschheit halten lassen. Gerade dieser Um-stand aber beweist vielmehr, daß ihr keine Ueberlieferungund nichts geschichtliches zum Grunde lag, sondern nurdie Gleichheit der menschlichen Vorstellungsweise zu derselbenErklärung der gleichen Erscheinung führte: wie gewiß vieleMythen, ohne geschichtlichen Zusammenhang, bloß auSder Gleichheit des menschlichen Dichtens und Grübclns