Die Bestimmung der Figur der Erde durch Messungvon Längengraden auf verschiedenen Parallelkrei-sen erfordert eine große Genauigkeit in den Unterschiedender Ortslängen. Schon Cassini de Thury und Lacaille be-dienten sich 1740 der Pulver-Signale, um einen Perpen-dikel auf dem Meridian von Paris zu messen. In neuererZeit sind bei der großen trigonometrischen Aufnahme vonEngland mit weit besseren Hülfsmitteln und größerer Sicher-heit Längen der Bogen auf Parallelkreisen und Unterschiededer Meridiane bestimmt worden zwischen Beachy Head undDunnose, wie zwischen Dover und Falmouth °: freilich nurin Längen-Unterschieden von 1° 26' und 6° 22'. Die glän-zendste dieser Operationen ist aber wohl die zwischen denMeridianen von MarenneS , an der Westküste von Frankreich ,und Fiume gewesen. Sie erstreckt sich über die westlichsteAlpenkette und die lombardischen Ebenen von Mailand undPadua , in einer directen Entfernung von 15° 32' 27"; undwurde ausgeführt von Brousseaud und Largeteau, Plana undCarlini, fast ganz unter dem sogenannten mittleren Parallelvon 45°. Die vielen Pendel-Versuche, welche in der Näheder Gebirgsketten gemacht worden sind, haben hier den schonfrüher erkannten Einfluß von localen Anziehungen, die sichauö der Vergleichung der astronomischen Breiten mit denResultaten der geodätischen Messungen ergeben °, auf einemerkwürdige Weise bestätigt.
Nach den zwei Unterarten der unmittelbaren Grad-messung: a) auf Meridian- und b) auf Parallelbogen,ist noch eine rein astronomische Bestimmung der Figur der Erdezu nennen. Es gründet sich dieselbe auf die Einwirkung,welche die Erde auf die Mondbewegung (auf die Ungleichheiten