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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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III
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Vorwort.

Die kritischen Bestrebungen unserer Zeit haben sich, angeregt durch den ehrwürdigen Veteranen Deutscher Wissenschaft, HerrnGeheimenrath A. von Humboldt, auch den Entdeckungsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts zugewandt. Wenn ich zu den Forschungenauf diesem interessanten Gebiete den vorliegenden Beitrag liefere, so bedarf Dies wohl keiner Rechtfertigung. Die Geschichte MarlinBehaims, jenes Mannes, der auch den Deutschen Namen mit den grossen Entdeckungsreisen der Portugiesen und Spanier in Verbindunggebracht und insbesondere in neuester Zeit das Interesse sowohl seines Vaterlandes als der seefahrenden Nationen in Anspruch genommenhat, wartete schon lange auf eine neue, gründlichere Bearbeitung. Es schien mir in meiner Stellung als Vorstand der Nürnberger Stadt-bibliothek und Lehrer der Geographie und Geschichte an einer höheren Lehranstalt eine besondere Aufforderung zu liegen, diese Lückeauszufüllen, indem ich den Quellen möglichst nachginge, welche auf die bisher noch immer ziemlich dunkle Geschichte Behaims ein helleresLicht werfen könnten. Daneben sollte meine Schrift in einer Zeit, wo ein rühmlicher Wetteifer der Völker die Verdienste ängstlich wahrt,welche die heimische Nation an dieser oder jener gemeinnützigen Entdeckung gehabt habe, auch dazu beitragen, der Welt ins Gedächtnisszu, rufen, dass die Deutsche Wissenschaft es gewesen, welche es jenen berühmten Seefahrern am Schlüsse des Mittelalters möglichgemacht, sich weiter in den Ocean hinaus zu wagen, dass Columbus , Vespucci, Vasco de Gama u. s. f. ihre Reisen erst unternehmenkonnten, nachdem sie Regiomontans Ephemeriden besassen und Behaim die Portugiesen mit Regiomontans verbessertem Astrolabiumund mit der Kunst, vermittelst dieses Instrumentes nach der Sonnenhöhe die Entfernungen zu berechnen, bekannt gemacht hatte.

Behaim hat zwar schon am Ende des vorigen Jahrhunderts, als die Frage aufgeworfen wurde, ob er nicht der eigentliche Ent-decker Amerikas sei, einen Geschichtsschreiber gefunden; doch gibt Herr v. Murr , in seinem Schriftchen, betitelt: »Diplomatische Geschichtedes Portugiesischen Ritters Martin Behaim *> nur einzelne Notizen über diesen Mann und es läuft dabei gar manches Irrthümliche mitunter, wohin namentlich der Umstand zu zählen ist, dass er Behaims Geburtsjahr gegen dreissig Jahre zu frühe ansetzt. Ich habe michbemüht, das Wahre von dem Falschen zu sichten und, so weit nur immer möglich, eine vollständige Geschichte Behaims zu geben, zuwelchem Zwecke ich, neben der Benützung der Hülfsmittel, welche mir die Nürnberger Stadtbibliotkek bot, auch das Freiherrlich v. Be-haimsche Archiv genau durchgegangen habe. So dankbar ich die freundliche Bereitwilligkeit anerkenne, mit welcher mir Herr BaronFriedrich v. Behaim seine Familienjjapiere aufschloss, so muss ich freilich auch bekennen, dass meine Bemühungen die reiche Ausbeutenicht fanden, welche ich mir anfangs versprach: es zeigte sich bald, dass Behaim während seines Aufenthalts in Portugal und auf seinerweit entlegenen Insel Fayal mit seinen Nürnberger Verwandten nur in einem sehr geringen Verkehr stand. Portugiesiche Schriftstellerhaben sich, wie die angehängten Abhandlungen von Trigozo und Gar^ao-Stoekler zeigen, bemüht, aus Portugiesischen Archiven dieGeschichte Behaims zu vervollständigen, sahen aber ihre Bestrebungen nur mit geringem Erfolge belohnt. Erst noch in den jüngsten Jahrenhat auch Herr Dr. Kunstmann, gegenwärtig Professor in München , dem als Beichtvater und Hauskaplan der Portugiesischen Königsfamiliedie Archive ohne Mühe zugänglich waren, bei seinen Studien im torre de tombo sein besonderes Augenmerk auf Behaim gerichtet, konnteaber eben so wenig weitere Notizen über ihn auffmden: und so darf man also mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass mit Dem,was ich in vorliegendem Buche gebe, die Geschichte Behaims abgeschlossen ist, wobei freilich immer die wichtigen Jahre von 1493 biszu seinem Tode 1506 in völliger Dunkelheit bleiben und mancherlei Vermuthungen über eine Theilnahme an den Entdeckungsreisen jenerPeriode Raum geben, wozu ihn sein bereits auf dem Wege nach Amerika gelegener Wohnort, die Insel Fayal , und seine schon 1484 bis86 an der Afrikanischen Küste gemachte Entdeckungsreise vor Anderen aufforderten. Auch die Verwandtschaft Behaims mit der FamilieCortereal (ein Cortereal machte 1501 eine Entdeckungsreise nach Amerika , Behaims Schwager aber, der älteste Sohn des Jobst Hurter,war an eine Cortereal verheirathet und seine Nachkommen führten beide Namen dUtra-Cortereal) macht es wahrscheinlich, dass er ander einen oder anderen Entdeckungsreise in dieser Zeit Theil genommen.

An Urkunden habe ich im Anhang Alles angefügt, was von einigem Interesse war. Die Urkunde XXIV. beschäftigt sich zwarwenig mit Behaim ; ich gab sie aber doch vollständig, weil sie vielleicht der älteste vorhandene Bericht ist (1522), den ein Deutscher ausOstindien über dortige Verhältnisse lieferte und zugleich eine interessante Notiz gibt, wie die dortigen Portugiesischen Geistlichen über diein Deutschland entstandene Reformation urtheilten. Das Portrait Behaims ist nach einem alten Bilde gezeichnet, welches sich im Besitzder v. Behaim schen Familie befindet. Dasselbe ist eine Copie von einem älteren, nicht mehr vorhandenen Bilde, das ohne Zweifel vonBehaim genommen wurde, als er sich im Jahre 1492 auf Besuch bei seinen Nürnberger Verwandten aufhielt. Sein jugendliches Aussehenauf diesem Bilde möchte einen Beweis mehr dafür abgeben, dass Behaim in diesem Jahre noch ein junger Mann war und also nicht schon1430, wie v. Murr will, geboren sein konnte.

Freunden der geographischen Wissenschaft werden die beiden angefügten Planigloben, welche ein getreues Bild des Behaim schenGlobus geben, eine sehr erwünschte Zugabe sein. Der Behaim sche Globus ist der älteste, welcher überhaupt existirt. Er ist bis jetztdurch die Zeichnung, welche Doppelmayr in seiner historischen Nachricht von den Nürnberger Mathematikern (Nürnberg 1730), v. Murrin seiner Geschichte Behaims, und ich selbst in dem Programm über Behaim und Schöner (Nürnberg bei Schräg 1842) gegeben haben, nursehr unvollständig-bekannt geworden, da Doppelmayr seine Abbildung nur in sehr verkleinertem Massstabe, die beiden zuletzt genanntenSchriften aber blos die westliche Hälfte geben und überall wegen mangelnden Raumes viele Inschriften fehlen. Der Globus, welcher in

*) Zuerst erschienen Nürnberg 1778, dann in zweiter Auflage, Gotha 1801, und in einer Französischen Ueberselzung, Slrassburg und Paris 1802.