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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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berühmten Philologen Mathias Philesius (Ringmann); er bearbeitete zugleich Handschriften des Ptolomäus unddie Reiseberichte, welche Amerigo Vespucci an den grossen Beschützer der Geographie, Herzog Renatus II. vonLothringen , Grafen von Provence (Enkel des Renatus I. von Anjou, und dadurch Anspruch machend auf den zwei-fachen Titel der Königthümer von Sicilien und Jerusalem) richtete. Der Munificenz dieses Fürsten verdankt mandie schöne Strassburger Ausgabe des Ptolemäus von 1513, die, wie ausdrücklich darin gesagt wird, sechs Jahrefrüher in den Lothringischen Vogesen (Lotharingiae terrae latebris, Vosagi rupibus) begonnen war. (Ex. crit. T. IV.p. 109.) In diesem Ptolemäus von 1513 findet sich, dieses fürstlichen Einflusses wegen, unter den Regionen extraPtolemäum eine Karte von Lotharingia, vastum Regnum. Die Karten im Ptolemäus von 1522 aus Strassburg (bei Johann Grüninger ) sind alle, wie Phrisius ausdrücklich sagt, von der Hand des Ilacomylus (sunt tabulae enovo a Martino Ilacomylo pie defuncto constructae). Ex. crit. T. IV. p. 116. Forschungen, die auf meineBitte in den Universitäts - Archiven von Freiburg im Breisgau angestellt wurden, haben endlich 1836 dahin geführt,dass der Herr Professor und Bibliothekar Schreiber in den wohl aufbewahrten Universitäts -Matrikeln des 15. Jahr-hunderts die Worte aufgefunden hat, die ich habe lithographiren lassen: „Martinus Waltzemiiller de Friburgo,Constantiensis dyoecessis wurde als Student eingeschrieben unter dem Rectorate des Conrad Knoll von Grüningen,den 7. Dec. 1490.“ Schon Ortelius hatte im Theatrum Orbis terrarum 1570 die Vermuthung ausgesprochen, „dassder Geograph Martinus Ylacomilus Friburgensis, Verfasser einer Karte von Europa, und Martin Waldseemüller , Ver-fasser einer Weltkarte (tabula navigatoria oder marina) eine und dieselbe Person sei.“

Die endliche Ergründung der persönlichen Verhältnisse des Mannes, der den Namen Amerika dem neu ent-deckten Welttheile zu geben anrieth, und die sichere Bestimmung des Jahres (1507), in dem dieser geographischeName entstand, sind um so wichtiger, als sie den zuerst (1533) von Schöner angeregten, später von Fray Pedro Simon in den Noticias historicas de las Conquistas, von Solorzano und Herrera verbreiteten Verdacht widerlegt, als habe AmerigoVespucci als Piloto major in Karten, die er in Sevilla zeichnen liess, das Wort Amerika auf die neu entdecktenKüsten gesetzt. Vespucci wurde erst am 22. März 1508, also ein Jahr, nachdem in Lothringen die Ouatuor Navi-gationes (übersetzt de vulgari Gallico in Latinum) erschienen, zum Piloto major ernannt. (Ex. crit. T. IV. p. 157.T. V. p. 167. 173. 206 u. 207.) Der Gedanke, einen neuen Welttheil entdeckt zu haben, ist nie bei Vespucci , sowenig wie bei Columbus entstanden. Beide sind in dem festen Glauben gestorben, Theile von Asien entdeckt zuhaben. Nur vier Jahre vor seinem Tode schreibt Columbus noch an den Pabst Alexander VI.: „ich habe Besitzgenommen von 1400 Inseln und habe entdeckt 333 Leguas von dem Festlande von Asien .“ (Ex. crit. T. IV. p. 9.234. 257 u. 299. T. V. p. 181.) Vespucci ist gestorben den 22. Februar 1512 (nicht 1508, wie Robertson, nicht1516, wie Bandini und Tiraboschi wollen), ohne zu erfahren, welche Ehre die Geographen seinem Namen angethan.Auf Karten erschien der Name erst 8 Jahre nach seinem Tode. Merkwürdig ist es, dass Ferdinand Columbus , derals Biograph des grossen Vaters mit unerbittlicher Strenge Alles verfolgt und widerlegt, was den Ruhm des Vatersschmälern konnte, in seinem erst 1533 beendigten Werke nie Unwillen gegen Vespucci bezeigt, ja der so ungerechtenund schon damals weit verbreiteten Benennung „Amerika “ nie erwähnt. Dieser Umstand hat schon die Verwunderungdes berühmten Bartolome de las Casas , Bischof de Ia Ciudad Real de Chiapa oder Cacatlan, erregt, der in seinemlangen Werke, das leider! immer nur noch handschriftlich existirt, in den verschiedenen Epochen der Redaction von1527 bis 1559 allmälig heftiger und heftiger gegen Vespucci auftritt, je nachdem er den Namen des neuen Welttheils,Amerika , mehr und mehr sich verbreiten sieht.

Ich habe in zwei Epochen meines Lebens, in Paris 1838 und in Berlin 1847, die vier Folio-Bände derAbschrift von des Las Casas Historia general de las Indias, die Jahre 1492 bis 1520 enthaltend, gründlich zuuntersuchen Gelegenheit gehabt. Die Abschrift hat ursprünglich Herrn Ternaux-Compan gehört und ist wahr-scheinlich dieselbe, welche ich im Mai 1799 vor meiner Einschiffung nach Amerika in Madrid in den Händendes ausgezeichneten Geschichtsschreibers Don Pedro Munoz gesehen. Fray Bartolomö de las Casas war 1474 ge-boren und starb 60 Jahre nach dem Tode seines Freundes Christoph Columbus in dem Alter von 92 Jahren. Indem lib. I. cap. 140. pag. 693 heisst es noch mit einiger Schonung: „Auch ist hier zu erwähnen la injusticia yel agravio, welche gegen den Admiral (Columbus ) begehen, sei es jener Americo Vespuccio selbst, seien es die,welche seine vier Seereisen drucken Hessen (que aquel Americo Vespucio parece aver hecho al Almirante),indem sie dem Vespucio in ihren Lateinischen Schriften oder in modernen Sprachen, wie auch‘in Landkarten, dieEntdeckung des Welttheils zuschreiben.“ Die Wendung parece, „es hat das Ansehen“, ist sehr mildernd und zeigtden Zweifel an, ob wohl Vespucio selbst an dem Uebel schuld sein möge. Nachdem in demselben Capitel pag. 696die wahren Verhältnisse von Amerigo , der als Lootse (Piloto), oder als Kaufmann (mercador), oder vielleicht alsActionär an der Expedition des Alonso de Hojeda betheiligt, sich im Mai 1499 eingeschifft hatte, entwickelt wordensind, setzt Las Casas hinzu: die falsche Angabe der Abreise in 1497 ist eine grosse Bosheit, wenn die Angabe eine