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Geschichte des Seefahrers Ritter Martin Behaim nach den ältesten vorhandenen Urkunden : mit einer genauen Abbildung des Behaim'schen Globus vom Jahr 1492 in zwei Planigloben nach seiner natürlichen Grösse, und drei der ältesten Karten von Amerika / von Friedrich Wilhelm Ghillany; eingeleitet durch eine Abhandlung ueber die ältesten Karten des neuen Continents und den Namen Amerika von Alexander von Humboldt
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der Colonie auf Hispaniola gegen Columbus gaben, um diese ausserordentlichen Vorrechte wieder einzuziehen;Columbus konnte sie trotz aller Beschwerdeführung nicht mehr erhalten. Jedoch um wieder auf Portugal zu kommen,so hielt es der Bischof von Ceuta für das vortheilhafteste, damit einerseits dem Wunsche des Königs genügt werdeund man anderseits nicht nöthig habe, auf die ausserordentlichen Forderungen des Columbus einzugehen, dass maneinen Versuch ohne Columbus in’s Werk setze. Unter dem Vorwand, die Inseln von Capo Verde mit Lebens-mitteln zu versehen, wurde eine Caravele ausgerüstet mit dem Aufträge, in der von Columbus angegebenenRichtung gegen Westen zu segeln und zu untersuchen, ob sich Spuren von Land zeigten. Diese Caravele, derenMannschaft es an Muth und Begeisterung zu einem solchen Unternehmen gänzlich gebrach, drang nur wenige Gradeüber die Capoverdeschen Inseln vor und kam mit der Nachricht zurück, dass dort Alles eine unendliche Wasserwüsteund das Unternehmen des Columbus lächerlich sei. Columbus, ohne Aussicht, in Portugal sein Vorhaben zuverwirklichen, und beleidigt, dass man hinter seinem Rücken den von ihm vorgelegten Plan auszubeuten suche, ging,da seine Frau gestorben war und ihn Nichts mehr an Portugal band, heimlich weg (Ende des Jahres 14S4), zu der-selben Zeit, als sich Behaim auf der Expedition an der Africanischen Küste mit Diogo Cäo befand.

Wenn nun Columbus bei Herrera den Martin Behaim seinen Freund nennt und sich bei dem SpanischenHofe auf Behaim’s Beistimmung beruft, so möchte ich schliessen, dass die beiden Männer auch nach der Abreisedes Columbus nicht ganz ausser Verbindung geblieben und dass seit Columbus Auftreten in Spanien durch Briefeeiniger Verkehr zwischen ihnen aufrecht erhalten worden sei. Columbus selbst wurde von dem PortugiesischenHofe nicht aus den Augen verloren; noch im Jahre 1491 lud ihn, wie oben bemerkt, der König Johann II. zurRückkehr nach Lissabon ein. Es scheint mir für die Vermuthung eines späteren brieflichen Verkehrs zwischenColumbus und Behaim besonders der Umstand zu sprechen, dass Herrera bemerkt, Columbus habe sich aufseinen Freund Behaim berufen, einen Portugiesen von der Insel Fayal . Eben diese neue Heimath Behaim’sauf der Insel Fayal , wo er der vermutheten Asiatischen Küste fast um die Hälfte W'eges näher gerückt war, mussteseinem Zeugnisse von der Möglichkeit, gegen Westen diese Küste und Ostindien zu erreichen, ein besonderes Gewichtgeben. Als Columbus sich in Lissabon befand, war Behaim , wie es scheint, noch nicht verheirathet: er verehe-lichte sich mit Hurter’s Tochter erst nach seiner Rückkunft von der Reise mit Diogo Cäo, im Jahre 1486; kaumdarf man vermuthen, dass er schon vor seiner Verheirathung und vor Columbus Abreise aus Portugal auf der InselFayal gewesen 9 ). Beruft sich also Columbus auf seinen Freund Behaim auf Fayal, so wird er wohl auch injener Zeit, wo Behaim auf Fayal lebte und zwischen dieser Insel und Lissabon seinen W’ohnort wechselte, mitBehaim in Verbindung gewesen sein. Letzterer konnte allerdings auf seiner über ein Drittheil des Weges nachAmerika in den Atlantischen Ozean hineingeschobenen Insel mancherlei Spuren über das Vorhandensein eines Landesgegen Westen erhalten. Stürme verschlugen die Portugiesischen Schiffe, die von Portugal nach den Azoren oder von den Azoren, wie häufig, nach Irland segelten, öfters weit gegen Westen über die Azorischen Inseln hin-aus 10 ). Nicht ganz ohne Bedeutung sind in dieser Beziehung die Prophezeihungen, welche die Einwohner der InselFayal dem Martin Behaim zuschrieben. Behaim soll, nach gleichzeitigen Berichten der Bewohner jener Insel,schon bevor Amerika von den Spaniern entdeckt wurde, südwestlich von Fayal einen über eine Provinz dominirendenPlaneten erblickt haben, in welcher die Einwoher sich goldener und silberner Gefässe bedienten, von denen baldSchiffsladungen nach Fayal kommen sollten 11 ). In Fayal war es, wo von Zeit zu Zeit durch Meeresströmungenvon Westen her Fichtenstämme angeschwommen kamen, und auf dem Strand der benachbarten Insel Flores warenLeichname einer unbekannten Menschenrace gefunden worden, Umstände, welche Columbus unter seinen Gründenfür das Vorhandensein eines westlichen Landes aufzählte 12 ). Behaim ist freilich nach unserer Berechnung gegen30 Jahre jünger, als man bisher annahm, und es schiene sich demnach zwischen ihm und Columbus ein Unterschieddes Alters herauszustellen, welcher ein Freundscliaftsverhältniss nicht besonders begünstigen konnte. Bisher hat manangenommen, Behaim sei 1430, Columbus 1436 geboren, beide Männer seien also ziemlich gleichen Alters gewesen;nun aber ist nach unserer Untersuchung Behaim’s Geburtsjahr um 1459 festzusetzen. Es schliesst allerdings auchein solcher Abstand des Alters freundliche Beziehungen zwischen zwei Männern, welche dasselbe wissenschaftlicheInteresse verfolgen, nicht aus: zu berücksichtigen möchte aber sein, dass Columbus Geburtsjahr noch lange nichtmit Sicherheit festgestellt ist. Auch bei ihm schwanken die Angaben zwischen 1430 und 1455, und vielleicht möchteeben der Umstand, dass sein Freund Behaim gegen 30 Jahre jünger war, als man bisher glaubte, auch seineGeschichtsschreiber veranlassen, das Jahr seiner Geburt in einem späteren Jahrzehnt zu suchen. Es ist schwer zuglauben, dass Columbus schon 62 Jahre alt gewesen sei, als er seine erste Entdeckungsreise unternahm 13 ).

9) Möglich wäre es freilich, dass er von den Niederlanden auszuerst nach Fayal gekommen, wo sich eine Niederländische Coloniebefand, und von da durch seine Verbindung mit Jobst Hurter anden Portugiesischen Hof empfohlen worden sei.

,0 ) Humboldt krit. Unters. II, 60.

u ) Man vergleiche die angefügte Abhandlung von Trigozo.

n ) Fernando Colon vida del Almirante cap. 8.

l3 ) Die ersten sicheren Data im Leben des Columbus sind sein