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einen Seeweg nach Ostindien zu finden. Columbus hatte keine Ahnung von einem neuen Continent; ervermutlicte nur, dass er auf diesem Westwege viele neue Inseln und die Ostkiiste von Asien auffinden würde, undfür diese neuen Besitzungen, die er der Krone Spanien entdecken wollte, liess er sich vor seiner Abfahrt dieHechte eines Vicekönigs zusprechen.
^delmung Indien’s nach Oste» handelt, 6) eine Stelle in Seneea’sTrauerspiel Medea, wo der Chor ausspricht, dass einst die Zeit kom-me» werde, wo der Ocean offen daliegen, Tiphys (der Steuermannder Argo) neue Welten entdecken und Thule nicht mehr das äus-serste Land sein werde: Venient annis secula seris, quibus Oceanmvincula rerum laxet et Ingens pateat tellus, Tiphysque hovos dete-gut orbes , nec sit terris ultima Thule.
Andeutungen eines im Atlantischen Meere liegenden Conti-nents gibt ausser der so eben genannten Stelle in der Medea Sene-ca’s auch Plato im Timäus und anderwärts, wo er von der InselAtlantis im Atlantischen Meere erzählt, von der Solon bei Aegyp-tischen Priestern gehört habe. Die Aegyptischen Priester sagten, dieseInsel sei grösser gewesen, als Libyen und Asien zusammen, habe einegute Gesetzgebung gehabt, Künste und Wissenschaften gepflegt, seiaber schon 10,000 Jahre vor Solon vom Meere verschlungen werden.Wegen des tiefen Schlammes, den der versunkene Erdtheil zurückge-lassen, sei jetzt das dortige Meer nicht zu befahren. Diese Bemer-kung erinnert an die grosse, mit Seegevvächsen bedeckte Strecke imAtlantischen Meer, welche dem Columbus und seinen Gefährten bangemachte. Die Hauptstadt der Atlantis, sagt Plato im Kritias , sei vondrei grossen mit Salzwasser gefüllten Wasserbecken umgeben gewesen,über welche schmale Dämme führten, die Einschnitte gehabt, so dassdie Schiffe von einem Becken in das andere fahren konnten. Aufdiese Weise sei die Stadt sehr fest gewesen; der König habe unge-heuere Reichthümer besessen. Es erinnert diese Beschreibung an dieStadt Mexico, so wie der Name Atlantis selbst mit dem WorteAtzlan verwandt sein könnte, welches den Amerikanischen Land-strich bedeutet, wo die Mexicaner ursprünglich wohnten; wobei freilichzu berücksichtigen wäre, dass nach der Mexicanischen Chronologie die* Stadt Mexico, das alte Ten och ti tlan, erst iin Jahre 1325 unsererZeitrechnung von den Azteken in den See Tezcuco erbaut wordenwäre. Andere haben bei dem Worte Atlantis an das MexicanischeWort All Meer gedacht. Es wird einer späteren Zeit aufbewahrtbleiben, darzuthun, dass die Phönizier wirklich nach Amerika ge-kommen. Seitdem man weiss, dass der Portugiese Cabral, ohne eszu beabsichtigen, von Stürmen und Seeströmen nach Brasilien ge-trieben wurde, während er an der Afrikanischen Küste um das Capder guten Hoffnung segeln wollte, muss die Vermuthung an Wahr-scheinlichkeit viel gewonnen haben, dass die Phönizier oder Karthagerauf ähnliche Weise nach Amerika gekommen seien und dass man sichauf diese Weise die Verwandtschaft zwischen der Karthagischen undMexicanischen Religion, die Amerikanischen Sagen von weissen Söh-nen der Sonne im Osten u. dgl. zu erklären habe. Man sagt freilich:wie w ären solche Fahrten ohne Kompass und Quadranten möglich ge-wesen ? Allein wir wissen ja nicht, welche Hülfsmittel die Karthagerhatten, und man könnte auch fragen, wie ist es den Skandinaviernmöglich gewesen, ohne solche Hültsmittei nach Island und Grönland zu kommen? Nach den Nachrichten bei den Alten haben PhönizischeSeeleute schon 015 v. dir. auf Befehl des Aegyptischen Königs Nechoganz Afrika umschifft; die Stadt Tyrus soll an der Westküste Afri-ka’s 300 Städte gegründet haben: warum sollte es so unwahrscheinlichsein, dass eines der vielen Karthagischen oder Phönizischen Schiffe,die Jahrhunderte lang an der Westafrikanischen Küste segelten, aucheinmal nach Amerika verschlagen worden wäre? Wenn die GeschichteNichts hierüber aufbewahrt hat, so möchte Dies darin seinen Grundlinden, dass Phönizier und Karthager ihre Handelswege und Ent-deckungen auf Reisen als Geheimuiss bewahrten. Jene bereits obenberührte Stelle in dem Buche Mirabilia auscultatu, das inan fälsch-
lich dem Aristoteles zuschreibt, erzählt, dass die Karthager in einerEntfernung von mehren Tagreisen vom Continent {n’keiövwv fipegwv)eine unbewohnte, sehr fruchtbare Insel mit schiffbaren Strömen (%%ov-(Sttv norciuovg ir7^coxovg) gefunden hätten ; sie seien oft dahin gekom-men, auch seien welche dort wohnen geblieben, späterhin aber hättedie Obrigkeit in Karthago bei Todesstrafe verboten, dahin zu schiffen,und alle Einwohner ermorden lassen, damit von der Existenz diesesLandes Nichts bekannt werde. Auf eine^ähnliche Weise sagt Dio-dorus Siculus im 19. und 20. Kapitel des fünften Buches, Libyen gegenüber liege eine Insel von bedeutendem Umfange, gebirgig, frucht-bar, von schiffbaren Strömen durchschnitten, mit milder Luft, so ge-segnet, wie ein Wohnsitz der Götter. Diese Insel hätten die Phöni-zier einmal entdeckt, als sie von der Westafrikanischen Küste, wo sieColonieen hatten, durch heftige Stürme weit weg über den Ocean ver-schlagen worden seien. Die Karthager hätten das Einwandern in dieseInsel verhindert und sich dieselbe als einen Zufluchtsort für den Fall,dass ihre Stadt ein grosses Unglück träfe, Vorbehalten.' 1 Es mag sein,dass diese Erzählung des Diodor aus einer sehr dunklen Zeit genom-men ist, dass inan eher die Azoren oder Madera oder irgend eineandere Insel in der Nähe der Westküste der alten Continente darunterverstehen könnte, obgleich auf diese Inseln die schiffbaren Ströme nichtpassen — wir dürfen jedoch in unserer Zeit, die immer mehr Spu-ren einer uralten Verbindung zwischen Amerika und den östlichenContinenten bringt, diese Stelle eben so wenig unberücksichtigt lassen,als sie das Zeitalter des Columbus unbeachtet liess. Schon die Spanierhaben sich damals mit diesen Stellen beschäftigt. Ueberhaupt trauen wirden Phöniziern zu Wenig zu, w'enn w'ir glauben wollen, ihre Seefahr-ten seien bei ihrer langjährigen Uebung blosse Küsteufahrten geblieben.Man kann über die weiten Fahrten der Alten, die auch bis nach Island kamen, vergleichen J. Bapt. Ricciolii geographiae et hydrogra-phiae reformatae libri duodecim , lib. III, cap. 20.
Bis hieher sind es blos unsichere Andeutungen über ein dunklesAhnen des Vorhandenseins eines Continents im westlichen Weltmeer;dagegen ist es jetzt erwiesen, dass Amerika nämlich Grönland und ein Theil der Küste der Vereinigten Staaten von Island aus schon am Ende des zehnten Jahrhunderts wirklich entdeckt wor-den ist. Island hatte zuerst von Irland her im Jahr 725 und vonden Faröer-In sei n aus, als die Skandinavier in den BritannischenInseln einfielen, Bewohner erhallen. Im Jahre 874 kam unter lngulfund Hiorleif eine Norwegische Colonie nach Island , die sich desLandes bemächtigte. Es muss sehr natürlich erscheinen, dass kühneSeefahrer, w'elche von Norwegen aus die weit grössereStrecke nachIsland zurücklegten und diese einzeln gelegene Insel aufgefunden hat-ten, noch viel leichter von dieser Insel aus den weit kürzeren, nur 52Seemeilen betragenden Weg nach Grönland machen- und den dortigenungeheueren Continent entdecken konnten. Es war im Jahr 986, dassErik Rauda (d. i. der Rothe) und Heriulf, aus Island vertrieben,in Gesellschaft Mehrer nach Grönland überschifften. Seitdem zogensich viele Isländische Colonisten hinüber, die sich aber nicht auf derzunächst liegenden Ostkiiste ansiedelten, sondern um das Kap Fare-well herumschifften und sich auf der wärmeren Westküste niederliessen.Dort werden jetzt noch viele Runenschriften gefunden, wie der be-rühmte 1824 aufgefundene und von dem Missionär Kragh bekanntgegebene Runenstein, welcher die Jahrzahl 1135 trägt. Biarn, derSohn des oben genannten Heriulf, hatte eine Reise nach Norwegen gemacht und dem dortigen König Erich von der Entdeckung erzählt.Der König ermunterte zur weiteren Verfolgung der neuen Küste. NachBiarn’s Rückkunft kaufte Leif, der Sohn Erich’s, des Rothen, Biarn’s