Für gewiss kann angenommen werden, dass dieser Deutsche Astronom, unterstützt von zwei anderen Portugiesen mit Namen Joseund Rodrigo, beide Aerzte und Mitglieder der mathematischen Gesellschaft, welche König Johann II. gründete, um die Fortschritte in derSchifffahrt zu befördern, der Erfinder des Astrolabiums war, welches wir das nautische neunen können, um es von dem im Almagestusvon Ptolemäus beschriebenen Astrolabium und von den äquatorischen Himmelskugeln des Tycho-Brahe zu unterscheiden, welche Einigeauch Astrolabien nennen, Instrumente, deren sinnreiche Einrichtung wahrscheinlich zur Erfindung jenes andern beitrug, das unsere Astro-nomen erdachten, um damit auf der See die Höhe der Sonne am Horizont zu beobachten. Es war dieses Astrolabium um so nöthiger fürdie Fortschritte in der Schifffahrt, als, ohne ein für diese Art von Beobachtungen geeignetes Instrument, selbst die Kenntniss, dass man durchdie Höhe der Gestirne die Breite irgend eines Ortes genau bestimmen könne, für die Schifffahrer unfruchtbar gewesen wäre.
Die Zeit, in welcher unsere Schriftsteller der Erfindung dieses Instrumentes zuerst erwähnen, die sie aber nicht genau bestimmen,geht auf den Tod des Infanten Heinrich zurück; es ist daher mehr als wahrscheinlich, dass derselbe nicht mehr die Befriedigung hatte, diePortugiesischen Steuerleute mit diesem so wuchtigen Hülfsmittel versehen zu wissen, das ihm einen glücklichen Ausgang der grossen Unter-nehmungen verbürgt hätte, die er begonnen. Dass er wenigstens den Erfinder desselben persönlich gekannt habe, ist, wie wir schonoben bemerkten, sehr zweifelhaft; was aber keinem Zweifel unterliegt, ist die Thatsache, dass dieser grosse Fürst es sich eifrigst angelegensein liess, das Studium der Mathematik in Portugal einzuführen. Da die Kenntnisse, die er in diesen Wissenschaften besass, ihn nichtdarüber in Unwissenheit Hessen , dass sowohl die Astronomie, als die Schifffahrt einzig und allein von den Anfangsgründen der reinen Mathematikabhängen; so überliess er, weit früher als er Jacob von Mallorca zur Belebung der Schifffahrt, einlud, der Universität Lissabon im Jahre 1431den Palast, den er in dieser Stadt besass, und verordnet^, dass darin die freien Künste gelehrt würden, unter welchen auch Arithmetikund Geometrie begriffen waren; auch wiess er für den Unterhalt dieser neuen Schulen mit freigebiger Grossinuth einen Theil seinerEinkünfte an.
Der Geschmack an den Wissenschaften, den der Infant begründet hatte, theilte sich seinem Neffen Alfons V. mit, der nicht nurfortfuhr, sie zu beschützen, sondern auch dadurch einen Beweis gab, wie sehr er sie schätze, dass er sich selbst auf ihr Studium verlegte,hauptsächlich auf das der Astronomie; wie er denn selbst eine Abhandlung über das Sternbild des Hundes schrieb, in welcher er darzuthunsuchte, wie viele Sterne zu demselben gehören. Es beweist Dieses, dass dieser gelehrte Fürst nicht allein den theoretischen Theil einerWissenschaft, die er allgemein zu machen suchte, selbst betrieb, sondern dass er auch, um diesen Zweck zu erreichen und die Ausübungderselben in der Meinung der Adeligen, welche unsere überseeischen Unternehmungen leiten sollten, höher zu stellen, selbst die astro-nomischen Instrumente handhabte, und damit Dies Allen bekannt würde, das Ergebniss seiner astronomischen Beobachtungen veröffentlichte.
Johann II., sein Sohn, zeigte gleichen Eifer in der Pflege dieser Wissenschaften, besonders der Schifffahrtskunde. Da er einsah,wie nölhig zur Beförderung derselben ein Zusammenfluss an Einsicht und Erfahrung sei, die sich nicht leicht in einem einzigen Individuumvereint, wohl.aber über Mehre vertheilt finden; so gründete er aus den ausgezeichnetsten Männern, die es damals im Königreich gab, eineGesellschaft für die Erweiterung der mathematischen, nautischen und geographischen Kenntnisse. Diesen Männern gab er den Auftrag, dieInstrumente und Methoden, die bisher zur Ausübung der Kosmographie gebraucht wurden, zu vereinfachen und neue zu erfinden, welche,indem sie die Wissenschaft vervollkommten, die Fortsetzung unserer See-Entdeckungen erleichterten. Wie jedoch die Einrichtung diesesInstituts gewesen, w r ie die besonderen Gesetze, die dasselbe regelten, in welchem Jahre es gegründet worden, worin die Ursachen seinerAuflösung bestanden: dies sind Punkte, die wir aus Mangel an Nachrichten nicht beantworten können. In den öffentlichen Archiven, welcheder Eifer der königlichen Akademie der Wissenschaften und die Wissbegierde einiger Privaten durchsucht haben, konnte bisher hierüberkein Document aufgefunden werden.
Die übertriebene Sorgfalt, mit welcher der genannte Monarch den Fremden die Nachrichten von unseren Wegen zur See undunserer Art, die Schifffahrt zu betreiben, verbarg, um ihnen die Kenntniss der durch unsere Seefahrer entdeckten Länder zu erschweren,liess ihn bei Allem, was auf diese Entdeckungen Bezug hatte, so geheimnisvoll verfahren, dass es jetzt nicht mehr leicht sein wird, dieMittel zu finden, um diesen wichtigen Punkt unserer Geschichte vollkommen aufzuklären. Was wir allein, gestützt auf die Autorität derwenigen Schriftsteller, welche über diese Sache einige Nachrichten hinterlassen haben, behaupten können, ist, dass folgende Männer Mitgliederdieser Gesellschaft waren: Meister Joseph und Meister Roderich, Aerzte des Königs, Martin Behaim, Don Diego Ortiz , Bischofvon Ceuta , und der Licenliat Calgadilla, Bischof von Vizeu; ferner dass sie ihre Sitzungen im Hause von Pedro de Alcatjova hielten, wodie Personen, welche der König mit der Leitung unserer Unternehmungen beauftragte, die nöthigen Instrumente und Instructionen erhielten.
Anmerkung 13*).
Dieses ist im Auszug die Lebensbeschreibung nach Murr, oder vielmehr nach den Privat-Dokumenten der Familie Behaim , woraufMurr seine Geschichte gründete, und woraus Christoph Cladera einen grossen Theil der Beweisgründe entnahm, mit denen er die
*) Ich füge mir diejenige» Anmerkungen hei, weiche für uns Interesse hier nur eine Wiederholung Dessen sein, was schon im Texte gesagt
haben; daher beginne ich mit Anmerkung 13. AY'as in den Übrigen An- wurde.
Wertungen gesagt wird, ist grösstenlheils aus llurr genommen und würde
Anmerk, des Herausg.25