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Beiträge zu Erforschung der Atmosphäre mittels des Luftballons / Richard Assmann
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11
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Assmann: Die Erfordernisse einer Ballonfahrt zu wissenschaftlichen Zwecken. 11

oder grösseres Gehäuse oder eine Art kleinerer Hütte für die Thermometer,um sie gegen die als störend erkannten Einflüsse der Sonnenstrahlung zuschützen, so wurde dasselbe entweder am Korbrande, oder ebenfalls anden Korbleinen befestigt. An die Möglichkeit einer thermischen Beeinflussungder Instrumente durch den Korb selbst und dessen Insassen scheint mannirgends ernstlich gedacht zu haben!

Aber die Beobachtungen im Luftballon haben zwei überaus mächtigeFeinde: die Wärmestrahlung der Sonne und die nahezu vollkommene Luft-ruhe, in welcher sich der Ballon und mit ihm alle Instrumente befinden.Die Intensität der Sonnenstrahlung nimmt aus bekannten Gründen mit derHöhe über dem Erdboden ausserordentlich stark zu. Ihr Einfluss auf allediejenigen Körper, welche andere Absorptions-Coefficienten besitzen, als dieatmosphärische Luft, wird deshalb ein entsprechend grösserer sein, als aufder Erdoberfläche.

Das wirksamste Mittel, um den Einfluss derWärmestrahlung zu ver-ringern, ist aber die Bewegung der die bestrahlten Körper umgebendenLuft, die Ventilation. Letztere aber fehlt bei einem freifliegenden Luft-ballon so gut wie vollständig, da derselbe gewissennassen selbst ein Tlieilder Luft ist und sich so mit derselben Geschwindigkeit fortbewegt, wie dieLuft. Allein bei verticalen Eigenbewegungen des Ballons tritt eine ent-sprechende Luftbewegung ein.

So werden alle Beschirmungen der Thermometer unter dem Einflüsseder starken Strahlungsintensität der Sonne beträchtlich über die Temperaturder umgebenden Luft erwärmt, ohne dass ihnen durch Erneuerung derletzteren Wärme entzogen "wird. Entsprechend dein grossen Temperatur-unterschiede zwischen bestrahlten und beschatteten Gegenständen wird nunvon den erhitzten Wänden aller Gehäuse eine starke ZustrahhmgdunklerWärme" nach den Thermometern selbst stattfinden; dieselben müssen dahersicherlich völlig irrthümliche Angaben liefern!

Aber nicht nur die Instrumente selbst und deren BescliirmungsVor-richtungen werden in Folge der Strahlung erheblich über die Lufttemperaturerwärmt, sondern auch der Korb selbst und alle Gegenstände, welche vonder Strahlung getroffen werden; die letzteren müssen deshalb ebenfalls eineabnorm hohe Eigentemperatur annehmen und Wärme an ihre Umgebungabgeben.

Die Beweise hierfür, welche bei mehreren Ballonfahrten auf demWege des Experimentes gewonnen wurden, sollen bei der Erörterung derbetreffenden Fahrten gegeben werden. Hier sei nur Folgendes erwähnt.

Herr L. Eotch, Director des Meteorologischen Observatoriums auf denBlue Hills bei Boston in Nordamerika erstattet in No. 5 desAmericanMeteorological Journal vom Jahre 1891 einen Bericht über gleichzeitigeAngaben eines Thermographen von Richard freres in Paris und einesSchleuderthermometers bei Gelegenheit zweier von ihm in Paris am 12. und