14 Assmann; Die Erfordernisse einer Ballonfahrt zu wissenschaftlichen Zwecken.
leicht, welches die Gründe für diesen Fehlschluss gewesen sind. DerAspirator musste hei der Aufstellung des Apparates dicht oberhalb der be-strahlten Tischplatte ausschliesslich solche Luft ansaugen und an die Thermo-meter führen, welche durch Berührung mit der hocherwärmten Tischplatteselbst eine höhere Temperatur angenommen hatte.
Dazu kommt noch der Einfluss der Körperwärme der im Korbe be-findlichen Personen und die von deren strahlungserwärmter Kleidungausgehende Wärme, ausserdem aber die Verwendung eines Aspirators,welcher nur D/a Minuten lang in Wirksamkeit war, während der Entleerungder eingesaugten Luft aber ausser Thätigkeit blieb. Während dieser Venti-lationspause musste die Sonnenstrahlung die in enge Metallrohre einge-schlossenen Tliermometergefässe erheblich über die Lufttemperatur erwärmen.
Es ist hier nicht der Ort, die Einzelheiten dieser Angelegenheit ein-gehend zu erörtern; ich verweise deshalb auf meine binnen kurzem er-scheinende ausführliche Arbeit über das Aspirationspsychrometer, welchein den „Abhandlungen des Kgl. Preussischen Meteorologischen Instituts“unter Ko. 5 niedergelegt ist.
Es kann aber keinen Zweifel unterliegen, dass Welsh und Gl ai sh erunter allen Umständen die erheblichen Unterschiede, welche zwischen denAngaben eines Aspirationsthermometers und denen eines gegen Strahlungungenügend geschützten Thermometers bestehen, sofort erkannt habenwürden, wenn sie ihren Apparat einmal ohne Unterlage frei aufgehängthätten. Das Aspirationsthermometer, welches von mir, ohne Kenntniss vonden ganz ähnlichen Versuchen Welsh’s, 33 Jahre später selbständig er-funden worden ist, würde dann ohne Zweifel schon längst als das stets ge-suchte Kormalinstrument erkannt und als Gemeingut der Meteorologen undPhysiker überall dort gebraucht worden sein, wo es sich um die Ermittelungder wahren Lufttemperatur handelt.
So aber, da sich keine principiellen Unterschiede gegen die üblichen,bequemeren und einfacheren Methoden der Thermometrie ergaben, musstedas Aspirationsthermometer als überflüssig erscheinen und konnte nun einervöllig unverdienten Vergessenheit 'anheimfallen. In der That existirte inEngland, soweit ich durch die Mithülfe der kundigsten Meteorologen habein Erfahrung bringen können, kein einziges Aspirationsthermometer, als ichmeine ersten analogen Apparate construirt hatte, ja, die Kunde von demWels h’schen, von G1 a i s li e r benutzten Apparate war gänzlich verloren gegangen!
Das von mir im Jahre 1886 erfundene, später in Gemeinschaft mitvon Sigsfeld constructiv verbesserte Aspirationspsychrometer musste in ersterLinie geeignet erscheinen, den Beobachtungen im Luftballon zu dienen, daes sich überall, auch in höheren Atmosphärenschichten, wie auf dem 2500 mhohen Säntisgipfel, als vollkommen frei von jedem Einflüsse der Sonnen-strahlung erwiesen hatte, ausserdem aber durch die genannte Ventilationder Thermometer sowohl deren Empfindlichkeit ganz ausserordentlich er-